Samstag, 18. Juni 2016

Mein Leben - eine Übstunde?

Ein beliebtes Anbetungslied meiner Familie hat mich schon oft zum Nachdenken gebracht. Der Titel nennt sich “Zehntausend Gründe”. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob ich 10.000 Gründe finden würde um Gott zu loben. 100 Gründe zu finden wäre schon eine Herausforderung. Wofür kann ich Gott loben? Wofür bin ich dankbar? Wenn ich 10.000 Günde finden sollte, wäre ich wohl lange Zeit damit beschäftigt und müsste jede noch so kleine Sache aufschreiben um die gewünschte Anzahl zu erreichen. Ist das nicht der Sinn des Liedes? Mir bewusst machen, wieviel Grund ich habe Gott zu loben.
Diese Tage setzte ich mich hin und liess den Text des Liedes auf mich wirken. Ich horchte genau hin und bei der letzten Strophe blieb ich stecken. Sie geht so:
Und wenn am Ende die Kräfte schwinden,
Wenn meine Zeit dann gekommen ist
Wird meine Seele dich weiter preisen,
Zehntausend Jahre und in Ewigkeit!
Meine Seele wird dich weiter preisen. Weiter preisen? Das setzt doch voraus, dass ich jetzt schon Gott lobe und preise. Und im Himmel mache ich damit weiter. Wie oft preise ich Gott? Stündlich? Täglich?  Wöchentlich? Am Sonntag in der Kirche? Ist mein Herz dabei voller Lob und Dankbarkeit?
Die Natur – geschaffen von Gott – lobt Gott täglich, sogar stündlich. Psalm 19, 2 – 5a sagt: Der Himmel verkündet die Herrlichkeit Gottes und das Firmament bezeugt seine wunderbaren Werke. Ein Tag erzählt es dem anderen, und eine Nacht teilt es der anderen mit. Ohne Sprache und ohne Worte, lautlos ist ihre Stimme, doch ihre Botschaft breitet sich aus über die ganze Erde und ihre Worte über die ganze Welt. (Neues Leben Bibel). In der Natur sehen wir Gottes Herrlichkeit. Jede kleine Blume, jeder Vogel, jeder Sonnenaufgang und –untergang, jeder Windhauch und jeder Stern gibt uns einen Grund, Gott zu preisen. Wenn wir die Einzelheiten und die Kleinigkeiten, die wir so oft übersehen, wahrnehmen und Gott dafür danken, finden wir vielleicht zehntausend Gründe.
Gordon MacDonald schreibt: “Aus den Psalmen erfahren wir, dass die ganze Schöpfung einen Auftrag hat: Gott zu loben und seine Herrlichkeit zu bezeugen.” Wir Menschen sind Teil der Schöpfung. Es ist auch unser Auftrag! Wir sollen Gott loben und preisen. “Jede Stunde meines Lebens soll dem Lob Gottes gehören. Solange ich lebe, will ich lieben. Solange ich lebe, will ich loben." (Charles Haddon Spurgeon) Wenn man bedenkt, dass wir die Ewigkeit, Gott lobend und preisend verbringen werden, ist das Leben hier auf der der Erde doch eine gute Vorbereitungszeit. Eine Übstunde für das grosse Halleluja. Wenn ich jetzt schon – wie Spurgeon – stündlich Gott lobe, kann ich Gott im Himmel weiter preisen.
Mal anders betrachtet: wenn ich Gott hier auf der Erde nicht preise, warum will ich dann in den Himmel, wo meine einzige Aufgabe sein wird, Gott anzubeten? Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass dein Leben hier eine Vorbereitung für den Himmel ist? Der Himmel ist nicht die Belohung für meine guten Taten und meinen frommen Lebensstil – wieder ein Grund, Gott dafür zu preisen – denn sonst würde keiner von uns das Himmelsziel erreichen. Der Himmel ist der Ort, wo wir Gott für immer und ewig anbeten werden. Gott hat uns geschaffen, damit wir mit unserem Leben seine Herrlichkeit loben (nach Epheser 1, 12). Im Himmel geht es nur um Gott. Im Himmel treten wir vor Gott und wir werden ihn Tag und Nacht anbeten. Es geht nicht um belohnt werden von meinem Leben hier auf der Erde. Es geht um Anbetung und Lobpreis. Sehr klar beschreibt es Offenbarung  4 wie die Anbetung im Himmel aussieht. Kann ich mir vorstellen, Gott ununterbrochen anzubeten? Vor ihm niederzufallen und voller Lobpreis zu sein?
Das Lied “Zehntausend Gründe” fordert im Refrain auf:
Komm und lobe den Herrn,
Meine Seele, sing,
Bete den König an!
Sing wie niemals zuvor,
Nur für Ihn,
Und bete den König an!
Ich hoffe, wenn unsere Kräfte schwinden und wenn unsere Zeit gekommen ist, dass wir alle gemeinsam Gott im Himmel weiter preisen werden. Möge unser Leben eine Übstunde für die ewige Anbetungszeit sein.

Dienstag, 31. Mai 2016

Etwas Nostalgie, Kindergekicher und eine Erkenntnis

Gestern Abend holten mein Mann und ich alte Musikerinnerungen hervor. “Weisst du noch… Kennst du noch… Wer sang doch mal dieses oder jenes Lied?” Wir suchten die alten Lieder und Sänger im Internet und schwelgten in Erinnerung an unsere Teenager- und Jugendzeit. Rockmusik war damals ein Thema für sich. Unsere Eltern und Jugendpastore machten sich Sorgen um unsere Seelen und den schlechten Einfluss dieser Musikrichtung. Es gab Diskussionen, Auseinandersetzungen und ganze Vortragsreihen auf den Jugendveranstaltungen zum Thema  “Rockmusik.”
Als ich AC/DC’s berühmtesten Hit spielen ließ, sassen unsere Kinder und kicherten. Sie fanden die Musik witzig und mussten darüber lachen. Während im Hintergrund die damals so umstrittene Musik spielte und ich das Gekicher unserer Kinder hörte, hatte ich so ein Aha-Erlebnis. Eine kleine Erkenntnis. Ein neuer Gedanke.
Unsere Eltern regten sich über die damalige Jugend auf. Wir, die wir jetzt auch Eltern sind, regen uns über die heutige Jugend auf. Die Eltern unserer Eltern haben sich auch über die damalige Jugend (sprich: unseren Eltern) aufgeregt. Worüber meine Großeltern sich aufregten, darüber kann meine Generation nur den Kopfschütteln. Worüber unsere Eltern sich aufregten, darüber Kichern heute unsere Kinder. Worüber wir uns aufregen, darüber kichern eines Tages unsere Großkinder.
Dasselbe Thema wiederholt sich nicht nur bei der Musik, sondern auch bei der Kleidung, bei den Umgangsformen und bei dem Lebensstil. Jede junge Generation hat ihre Auseinandersetzungen mit der älteren Generation. Jede Generation geht neue Wege und sucht andere Lebensmöglichkeiten, die die ältere Generation oft nicht verstehen kann. Für meine Generation war es die Rockmusik und das Tanzen. Die heutige junge Generation wird oft und viel für ihr Medienverhalten kritisiert und davor gewarnt. Das Kinder und Jugendliche so sorglos und frei mit den Medien (Internet, Handy) umgehen, ist für manche (die natürlich einer anderen Generation angehören) ein Dorn im Auge. Sie kritisieren, sie warnen und sie halten ganze Vortragsreihen darüber (genau wie damals bei der Rockmusik).
Das Gekicher meiner Kinder zu den Klängen von AC/DC machte mir bewusst, dass auch unsere Großkinder einmal kichernd den Kopt schütteln werden, wenn unsere Kinder ihnen erzählen werden, worüber wir als Eltern uns aufgeregt haben.
Jede Generation muss ihren Weg gehen – es ist ein eigener Weg und sogar ein ganz anderer Weg als der Weg, den die Eltern und noch früher die Großeltern gegangen sind. Auch sie mussten ihren Weg freikämpfen und sorgten damit für Aufregung und Auseinandersetzungen. Denke mal an deine Jugendzeit zurück. Wofür hast du damals gekämpft? Welches waren deine Diskussionspunkte mit deinen Eltern? Wenn deine Eltern noch leben, was haben sie getan, dass für Aufregung bei den Großeltern sorgte?
Wenn wir etwas nostalgisch werden und in Erinnerungen schwelgen und dann einen Blick auf die heutigen Kinder und Jugendliche werfen, können wir hoffentlich etwas gelassener werden. Geben wir unseren Kindern und Jugendlichen doch den Raum und die Freiheit, ihren eigenen Weg zu finden. Statt darüber zu sprechen, was sie alles falsch machen, mit ihnen darüber sprechen, wie sie in dieser Welt (wie sie heute ist), fertig werden. Statt Vortragsreihen über die Gefahren der Medien für Eltern halten (denn es sind ja wir, die Eltern, die sich aufregen und nicht die jetzige Generation), mit den Kindern und Jugendlichen sachlich und interessiert über alles sprechen. Denn, worüber wir uns heute aufregen und streiten, darüber kichern später nochmal unsere Großkinder.
Ich wünsche uns Älteren einige nostalgische Momente und das wir dadurch etwas gelassener mit der heutigen Generation umgehen können. Geben wir ihnen die Freiheit, ihren eigenen Weg zu finden und denken wir daran, die Geschichte wiederholt sich. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Das sagte übrigens schon Salomo im Predigerbuch der Bibel. Lassen wir der heutigen Generation ihren Weg finden. Wir haben damals unseren Weg gefunden und die Generation nach uns muss ihren eigenen Weg finden. Auch die Großkinder der heutigen Jugend wird eines Tages über sie kichern, genauso wie unsere Kindern heute über uns lachen müssen.
Einen nostalgischen Tag, mit viel Raum für Gelassenheit und manchmal ein kleines Lachen wünsche ich euch!

Sonntag, 28. Februar 2016

Fasten mal anders

"Begrenze die Segnungen des Fastens nicht nur auf die Enthaltsamkeit vom Brot, denn ein wahres Fasten bedeutet sich vom Bösen fernzuhalten. Lass dein Fasten nicht zu Zank und Streit führen. Du iβt kein Brot, aber du verschlingst deinen Bruder; du enthältst dich des Weines, aber nicht der Beschimpfungen. So ist die ganze Mühe des Fastens umsonst", sagte Aurelianus Ambrosius.
Fasten ist so ein Thema für sich. Manche umgehen das Thema und denken lieber nicht darüber nach. Andere fasten gerne und oft und erleben dadurch eine ganz besondere Nähe zu Gott. Und noch andere wieder würden gerne fasten wollen, wissen aber nicht wie oder wo anfangen. 
Ich bin kein Experte in diesem Thema, sondern eine Lernende. In diesem Jahr wusste ich nicht, worauf ich verzichten sollte. Im Beten- und Fastenheftchen unserer Gemeinde stand ein Satz, der mich zum Nachdenken anregte: "Es geht darum, auf etwas zu verzichten, um diese Zeit Gott zu widmen." Was hält mich davon ab, mehr Zeit mit Gott zu verbringen? Wenn ich darauf verzichten würde, hätte ich dann mehr Zeit für Gott? Für manche kann das Essen sein, für andere vielleicht das Internet, der Fernseher, Sport oder soziale Aktivitäten (auch gute christliche Programme). 
Da ich mich nicht entscheiden konnte, bat ich Gott um einen Fingerzeig. Worauf sollte ich verzichten um mehr Zeit mit ihm zu verbringen? Abends vor dem Einschlafen kam die Antwort. Sie war ungewöhnlich und ich war etwas verblüfft. Die Bestätigung kam durch einen Bibeltext. Es war die Geschichte von Marta und Maria.
In Lukas 10, 38 -42 lesen wir: Auf ihrem Weg nach Jerusalem kamen Jesus und die Jünger auch in ein Dorf, in dem eine Frau mit Namen Marta sie in ihr Haus einlud. Ihre Schwester Maria saß Jesus zu Füßen und hörte ihm aufmerksam zu. Marta dagegen mühte sich mit der Bewirtung der Gäste. Sie kam zu Jesus und sagte: »Herr, ist es nicht ungerecht, dass meine Schwester hier sitzt, während ich die ganze Arbeit tue? Sag ihr, sie soll kommen und mir helfen.«  Doch der Herr sagte zu ihr: »Meine liebe Marta, du sorgst dich um so viele Kleinigkeiten! Im Grunde ist doch nur eines wirklich wichtig. Maria hat erkannt, was das ist - und ich werde es ihr nicht nehmen.«
Während Marta für ihre Gäste sorgte, saβ Maria zu Jesu Füβe und hörte zu. Ich fand mich in Marta wieder. Wir haben oft und gerne Gäste. Es gibt jedesmal viel zu tun und am Ende sinke ich müde ins Bett. Zu müde, um noch Zeit mit Gott zu verbringen. Zu müde, um noch in der Bibel zu lesen. Zu müde, um noch paar Seiten in einem aufbauenden Buch zu lesen. 
Für 40 Tage von Gäste fasten und diese Zeit Gott widmen. Für jemanden, der gerne aktiv ist und gerne Leute einlädt ist das fast schwerer als auf Essen zu verzichten. Die ersten Tage und Wochen waren fast wie eine Erleichterung, keinen einzuladen. Danach hatte und habe ich ständig ein schlechtes Gewissen. Soviel Zeit und wir laden keinen ein, denke ich dann. Dann fallen mir wieder Jesu Worte ein: "Im Grunde ist nur eines wirklich wichtig. Maria hat das erkannt, was das ist - und ich werde es ihr nicht nehmen."
Noch bin ich am lernen, was das wirklich Wichtige ist und ich hoffe, dass ich es wie Maria erkennen kann, was es ist. Solange faste ich von gutgemeinten Aktivitäten und sitze zu Jesu Füβen. 
Worauf müsstest du verzichten, um mehr Zeit mit Gott zu verbringen? Bitte Gott um einen Hinweis. Frag ihm einfach wie du fasten kannst, um ihm näher zu sein. Er wird antworten.
Eine segensreiche Fastenzeit wünsche ich dir!

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gedanken zur Weihnachtszeit

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine besondere Zeit. Jeder von uns erlebt diese Zeit mit seinen eigenen Gedanken, Gefûhlen, Vorstellungen und Wünschen. 
Hier einige Gedanken, die mir in den letzten Jahren im Dezember gekommen sind:
(Auf dem Titel klicken)






Wie erlebst du die Weihnachtszeit? Was ist dir wichtig? Was würdest du ändern wollen? 
Wenn du willst, schreibe mir: geliblond@gmail.com

Besinnliche Adventstage wünsche ich euch!

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Die Kunst des Schweigens

“Reden ist sein Liebstes, und das tut er bevorzugt über sich selbst.” Dieser Satz und ein toller Vortrag über Kommunikation von einer Freundin, brachten mich dazu, meine Gedanken schriftlich festzuhalten.
Wer oft mit Menschen in Kontakt ist, hat bestimmt schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Jemand redet viel und gerne – über sich. Nicht nur das, jeder Satz dem der Gegenüber sagt, wird gebraucht um wieder über sich zu reden. Soviel zum Thema “zuhören können.” Sagst du: “Ich hatte diese Woche Kopfschmerzen.” Heisst es vom Viel-über-sich-selbst-Redner: “Oh ja, ich hatte diese Woche auch Kopfschmerzen.” Erzählst du etwas von deinen Kindern, erzählt er oder sie gleich auch etwas von seinen oder ihren Kindern (und wenn sie nicht Kinder hat, dann von den Grosskindern oder Nachbarskindern). Gehts dir schlecht, gehts dem Gegenüber natürlich auch schlecht. Gehts dir gut, gehts dem anderen auch gut. Jeder Satz von mir, wird zum Sprungbrett um über sich selbst zu sprechen.
Zwei Verhaltensweisen, die ich bei mir beobachtet habe. Erstens: wenn jemand nur von sich selbst spricht, werde ich schweigsam. Wenn jedes Wort von mir nur dazu führt, dass der andere über sich spricht, schweige ich. Meine Worte sind mir zu schade dafür.
Ein zweites: zu schweigen und nicht von sich zu sprechen, wenn jemand mir etwas erzählt, ist eine Herausforderung. Ich merke, dass ich selber dazu neige, gleich etwas von mir zu erzählen, wenn der Gegenüber von sich erzählt. Schweigend zuhören, ohne eigene Erfahrungen und Erlebnisse einzuflechten, ist eine Kunst. Manche beherrschen sie. Andere müssen lernen sich zu beherrschen.
Schweigen – mit meinen Worten geizen, wenn sie für einen Egotrip gebraucht werden und mit meinen Worten geizen, wenn ich zuhöre. Ich wünsche uns die Kunst des Schweigens, wenn unser Gegenüber spricht.

Samstag, 3. Oktober 2015

Ein Anhängsel

Bei Martin Luther, dem deutschen 
Reformator (1483-1546) liegt die Würze in der Kürze. Klar, direkt und unmissverständlich 
sind seine Gedanken, die uns von ihm geblieben sind.
So sagt er zum Beispiel: "Tritt frisch auf! Tu's Maul auf! Hör bald auf!"
In ähnlicher Kürze beschreibt er die Gnade Gottes. Er zeigt, welche Hoffnung uns bleibt, wenn wir immer wieder versagen und verzweifeln, weil unser Glaube nicht stark genung ist. Es nennt sich: 

Meine Hoffnung
Mir ist es bisher – wegen angeborener Bosheit und Schwachheit – unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen.
Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir – um Christi Willen – dieses täglich beweinte Zurückbleiben vergeben wird, so ist es aus mit mir.
Ich müsste verzweifeln, aber das lasse ich bleiben.
Wie Judas an einen Baum mich hängen, das tu’ ich nicht.
Ich hänge mich an den Hals oder an den Fuß Christi wie die Sünderin.
Und wenn ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.
Dann spricht er zum Vater:
“Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle Deine Gebote übertreten, Vater, aber er hängt sich an mich.
Was soll’s! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlupfen.
Das soll mein Glaube sein.

In Psalm 103 finden wir dieselben Gedanken, verbunden mit einem Lobgesang. Die Luther-Bibel nennt es "Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes." 
Das soll auch mein Glaube sein. Ich möchte ein Anhängsel Jesu sein und mich so fest an Jesus hängen, dass ich niemals die Hoffnung verliere. Und diese Hoffnung soll mit Lob und Dankbarkeit vermischt werden. 

Freitag, 18. September 2015

Tägliche Nahrung für die Seele

Die Psalme und Sprüche sind seit zwei Jahren meine (fast) tägliche seelische Nahrung. Die Psalme helfen mir, die Beziehung zu Gott festigen und immer wieder neu zu erkennen, wie gross Gott ist. Die Sprüche geben mir Ideen für den normalen Alltag: Arbeit und Beziehungen. 
Die Psalme und Sprüche geben mir die Kraft, die ich für die vielen Anforderungen und Herausforderungen brauche. Sie zeigen mir, wie Gott ist und wie ich mit ihm reden kann. Meine Vorstellung von Gott (sprich Gottesbild) hat sich dadurch sehr verändert und ich lerne, das Leben gelassener zu sehen, weil ich weiss, dass Gott alles in seiner Hand hält. Ich schaffe es immer wieder zu schweigen, statt zu viel zu sprechen und nicht alles zu sagen, was ich denke - denn in Sprüche wird viel von dem Narren gesprochen, der zuviel spricht. Und wer schweigt (besonders der Narr), wird für weise gehalten. Das ist doch ein Versuch wert. 
Psalme und Sprüche - eine besondere Seelennahrung, die ich kostenlos, jeden Tag zu mir nehmen darf. Sie wirkt besser als jegliche Vitamine oder sonstiges Medikament, weil sie mich direkt, zu der besten Quelle des Lebens führt und mich erfrischt.
Hier eine kurze Übersicht, wie ich die Psalme und Sprüche ganz intensiv gelesen habe:

1. Dezember 2014

Für November hatte ich mir das Ziel gesetzt, jeden Tag 5 Psalmen und 1 Kapitel aus Sprüche zu lesen, meine Gedanken aufzuschreiben und in meinem Blog zu posten. Hier die Reihenfolge der Posts im November:

Einführung und Tag 1: Leben mit Tiefgang
Tag 2: Von nichts kommt nichts
Tag 3: Hast du heute schon danke gesagt?
Tag 4: Natur & Herz
Tag 5: Und doch...
Tag 6: Die Stimme Gottes in meinem Leben
Tag 7: Eine besondere Einladung
Tag 8: Dankbarkeit und ihre Folgen
Tag 9: Finde dein Kalkutta
Tag 10: Sehr loben & meine Worte
Tag 11: In der Stille
Tag 12: Mein Leben und sein Wert
Tag 13: Der wahre Reichtum
Tag 14: Der menschliche Mensch
Tag 15: Meine Gedanken vor Gott bringen
Tag 16: Dankbar und erleichtert
Tag 17: Zwei ernste Begleiter in meinem Leben: Glück und Fröhlichkeit
Tag 18: Meinen Glauben nicht im Alleingang leben
Tag 19: Im Schutz leben
Tag 20: Aus Opfer wird Geschenk
Tag 21: Gott bei der Arbeit zuschauen
Tag 22: Die Psalmen, ein besonderer Schatz
Tag 23: Großzügig oder geizig?
Tag 24: Das Wort Gottes und mein Lebenshaus
Tag 25: Aufmerksam sein - Gott und meinem Nächsten gegenüber
Tag 26: Gebet und Arbeit
Tag 27: Voneinander lernen
Tag 28: Am Ende steht die Dankbarkeit
Tag 29: Ein Gott voller Liebe
Tag 30: Gott in meinem Leben und mein Leben in Gott



Sonntag, 13. September 2015

Die Seele kultivieren

Der erste Frühlingsregen ist gefallen. Frische Luft, feuchte Erde und der Duft der blühenden Bäume machen wieder Lust auf Gartenarbeit. Es ist ein besonderes Gefühl, die nasse Erde zu bearbeiten und Samen auszustreuen. Wird es wachsen? Werden wir genug Regen bekommen? Das sind einige der Fragen, die dabei im Hinterkopf schwirren.
Heute morgen las ich die Aufforderung von Gordon MacDonald, meine Seele zu kultivieren. “Das passt”, dachte ich. Wie ich meinen Garten umgrabe, bearbeite und bebaue, so kann ich meine Seele hegen und pflegen. Seelen-arbeit statt Garten-arbeit. MacDonald schreibt: “Die Seele so zu formen, dass sie zu einem Ort wird, an dem Gott wohnt, ist die vorrangige Aufgabe eines Christen.” (aus: Warum Jesus keinen Burnout hatte. Seite 21) Ist meine Seele ein Ort, an dem Gott wohnen kann? Hat er Platz in meiner Seele? Hat er Raum, um in mir zu wohnen und durch mich zu wirken? Fühlt Gott sich bei mir wohl? Ist er willkommen?
Paulus fordert Timotheus auf, sich in der Frömmigkeit zu üben. Oder wie die Neues Leben Bibel schreibt: “Nutze deine Zeit und Kraft, um im Glauben immer stärker zu werden.” (1. Timotheus 4, 7b) Gartenarbeit braucht Zeit und Kraft. Seelenarbeit auch. Gartenarbeit braucht gute Planung und Vorbereitung. Seelenarbeit auch. Gartenarbeit ist anstrengend und manchmal frustrierend. Seelenarbeit auch. Und doch lohnt sich beides: die Seelenarbeit auch die Gartenarbeit. Der Garten trägt Früchte und die Seele wird zu einem Ort, wo Gott zu mir spricht.
“Gott, forme meine Seele. Verändere in mir, was verändert werden muss, damit du Raum hast in mir zu leben. Nimm weg, was stört und was mich davon abhält, auf dich zu hören. Sei du der Gärtner meiner Seele.”

Montag, 7. September 2015

Unterwegs sein – mit einer gepackten Tasche

“Mit meiner Tasche kann ich jederzeit das Land verlassen.” Dieser Ausspruch regte mich zum Nachdenken an. Wie packe ich meine Lebenstasche für die letzte grosse Reise, damit ich jederzeit dieses Erdenland verlassen kann?
Als Christ bin ich unterwegs. Mein Leben auf dieser Erde ist eine Durchreise. Hebräer 13, 14 sagt es so: Denn diese Welt ist nicht unsere Heimat; wir erwarten unsere zukünftige Stadt erst im Himmel. Und Philipper 3, 20: Aber unsere Heimat ist der Himmel, wo Jesus Christus, der Herr, lebt. Und wir warten sehnsüchtig auf ihn, auf die Rückkehr unseres Erlösers. Diese Welt ist für einen Christen nur eine vorübergehende Bleibe. Ein Tourist übernachtete in einem Kloster. Der zuständige Mönch zeigte ihm sein Zimmer mit nur einem Bett und einem Stuhl. "Wo sind denn eure Möbel?", fragte der Tourist erstaunt. "Wo sind denn Ihre?", antwortete der Mönch. Der Tourist war verwirrt: "Ich bin doch nur auf der Durchreise." Der Mönch lächelte: "Wir auch."
Leider vergessen wir es manchmal, dass wir unterwegs sind. Das wir noch nicht angekommen sind, sondern auf dem Weg sind. Deshalb betet Mose in Psalm 90, 12: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Eine andere Bibelübersetzung sagt: Lehre uns, unsere Zeit zu nutzen, damit wir weise werden. In anderen Worten: wie können wir uns auf unseren Tod vorbereiten? Können wir das? Ist es sinnvoll? Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema und merke, dass nicht gerne darüber gesprochen wird. Alles wird geplant und gefeiert, nur an die letzte Abschiedsfeier will keiner so gerne denken, schon gar nicht darüber sprechen. Nachdem ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, fiel mir der Vers aus 1. Korinther 15, 55 ein: Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Der Tod hatte seine Macht über mein Leben verloren. Ich hatte die letzte Abschiedsfeier geplant, meine Lebenstasche gepackt und war fertig, um in meine ewige Heimat, den Himmel, zu reisen.
Einige Gedanken, die mir geholfen haben, meine Lebenstasche zu packen:
Erstens, um jederzeit vor Gott treten zu können, denn er ist es, der mich in meiner ewigen Heimat erwartet, brauche ich den Ausweis, dass ich sein Kind bin. In Johannes 1, 12 heisst es: Wie viele ihn (Jesus) aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.
Zweitens, wer ins Ausland reisen will, braucht in Paraguay ein Certificado de antecedentes policiales. Eine polizeiliche Bestätigung, dass keine straffälligen Vergehen vorliegen. Ist in meinem Leben alles geregelt? Sind meine Finanzen geregelt? Habe ich noch irgendwo Schuld – nicht nur finanziell, sondern auch Beziehungen, die geklärt werden müssten? Wartet noch jemand darauf, dass ich um Vergebung bitte oder muss ich jemanden sagen, dass ihm vergeben worden ist. Nicht immer ist es möglich, alles zu klären. Was ich regeln kann, versuche ich zu regeln, damit ich offen und frei vor Gott treten kann.
Drittens, ich brauche einen Fahrplan. Eine Reiseroute, damit ich weiss, was mich auf der Durchreise erwartet und wie meine zukünftige Heimat aussehen wird. Und das ist meine Bibel. Sie ist mein Wegweiser, meine Karte und gehört unbedingt in meine Lebenstasche.
Neben Ausweis, Zertifikat und Fahrplan ist mir mein Handy wichtig. Mit dem Handy kann ich jederzeit mit Gott in Verbindung treten. Das Handy ist also das Gebet. Ich brauche Proviant – das sind für mich gute Bücher, die mich ermutigen und neue Kraft geben. Auch Geld gehört in meine Lebenstasche – das sind gläubige Freunde, die mir helfen, auf dem Lebensweg zu bleiben und mit mir reisen. Und zum Schluss packe ich noch einen Mantel ein – er ist steht für die warme Gemeinschaft einer Gemeinde. In einer Gemeinde sind wir alle Durchreisende und die Gemeinschaft gibt uns die Kraft, durchzuhalten. So sieht meine gepackte Lebenstasche aus und bestimmt fallen dir noch paar Dinge ein, die du einpacken könntest.
Die Tasche ist gepackt, doch bin ich bereit, dieses Erdenland, dieses Leben zu verlassen. Alles in mir wehrt sich, wenn ich an mein eigenes Sterben denke. Und das ist normal und gut so, wir sollen und wir wollen ja leben. Wir sind geschaffen um zu leben. Wie kann ich mich trotzdem auf meinem Tod vorbereiten?
Drei Punkte, die mir geholfen haben:
Einmal das Entrümpeln. Meinen Haushalt regelmässig ordnen und alles weggeben, was ich nicht mehr brauche. Wegwerfen, was zerbrochen ist und verschenken, wovon ich zuviel habe. Keiner wird uns eines Tages dafür danken, dass wir so viel angesammelt und aufbewahrt haben. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie ich in Erinnerung bleiben will: als eine Frau mit überfüllten Schränken und zuvielen Sachen oder als eine Frau, die das Leben gelebt hat?
Entrümpeln ist loslassen. Sterben ist loslassen. Deshalb ist Entrümpeln eine gute Übung für die letzte Lebensreise. Die Geschichte einer alten Dame berührt mich jedesmal. Als sie starb, passten ihre persönlichen und wertvollsten Sachen im Kofferraum eines Autos. Sie hatte ihr Haus so weit entrümpelt, dass jeder wusste, was für sie wertvoll und wichtig war. Nicht Schränke voller Sachen, sondern das Wichtigste aus ihrem Leben passte im Kofferraum eines Autos. Ich hoffe, ich kann ihrem Beispiel folgen.
Ein Zweites: mein Lebensverzeichnis schreiben. Meine Familie wird es mir eines Tages danken, dass ich mir die Zeit genommen habe, mein Leben aufzuschreiben. Wer kann es besser wissen als ich, welches besondere Momente in meinem Leben waren? Wer wusste um meine schweren Zeiten, um meine Zweifel, um meine Freuden? Mein Lebensverzeichnis schreiben hilft mir, über mein Leben nachzudenken. Und da ich noch lebe, habe ich die Gelegenheit neue Erlebnisse und Erfahrungen zu machen und in einigen Jahren, Neues hinzuzuschreiben. Noch ist es nicht zu spät, die eigene Lebensgeschichte zu einem guten Ende zu bringen. Noch ist der letzte Satz nicht geschrieben.
Und ein Letztes: mein eigenes Begräbnis planen. Das ist ein besonders schwerer Punkt. Wer will schon darüber nachdenken? Und doch ist es in meinen Augen eine wichtige Sache. Ich war vor einigen Jahren auf einem Begräbnis, wo die verstorbene Person das ganze Programm und den Ablauf vorher geplant und organisiert hatte. Obwohl ich das vorher nicht wusste, merkte ich während der Trauerfeier, dass es eine besondere Feier war. Jeder wusste, was er zu tun hatte und die Familie konnte bewusst und gelassen Abschied nehmen. Ein von mir geplantes Begräbnis ist der letzte Liebesbeweis an meiner Familie und Freunde. Welche Lieder sollen gesungen werden? Wer soll predigen? Worüber soll gepredigt werden? Ich wünsche mir z.B. dass auf meiner Abschiedsfeier über den Himmel gepredigt wird, damit alle den Wunsch bekommen, auch in diese ewige Heimat zu reisen. Zwei Freundinne habe ich vor einger Zeit gefragt, ob sie eines Tages – falls es diesen Moment geben sollte – meinen Grabstein dekorieren können. Sie wissen, was ich liebe und meine Familie hat eine schwere Aufgabe weniger.
Meine Lebenstasche packen und mich auf den Tod vorbereiten – das ist ein Thema, dass viel Zeit braucht und schwerfällt. Gleichzeitig lehrt es mich, wie Mose sagt, zu bedenken, wie kurz mein Leben ist. Wenn ich darüber nachdenke und mich damit auseinandersetze, verliert der Tod seine Macht und ich kann mit Paulus sprechen: Tod, wo ist dein Stachel? Tod, wo ist dein Sieg? Meine Lebenstasche ist gepackt und ich bin vorbereitet, dieses Erdenland zu verlassen und vor meinem himmlischen Vater zu treten. Wenn ich dann endlich zuhause bin, werde ich lebendiger sein als je zuvor.

Mittwoch, 26. August 2015

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben?

"Der Sinn der Vergebung liegt darin, dass wir Gott gegenüber dankbarer, anderen gegenüber barmherziger und uns selbst gegenüber wahrhaftiger werden", sagt Hans-Joachim Eckstein, ein evangelischer Theologe. Vergebung soll uns dankbarer, barmherziger und wahrhaftiger machen.
Die Geschichte in Matthäus 18, 21-35 zeigt, das Vergebung manchmal auch genau das Gegenteil bewirken kann.
“Dann kam Petrus zu ihm und fragte: »Herr, wie oft soll ich jemandem vergeben, der mir Unrecht tut? Sieben Mal?«  »Nein!«, antwortete Jesus, »siebzig mal sieben Mal! Deshalb kann man das Himmelreich mit einem König vergleichen, der beschlossen hatte, mit seinen Bediensteten, die von ihm Geld geliehen hatten, abzurechnen. Unter ihnen war auch einer, der ihm sehr viel Geld schuldete. Da er nicht bezahlen konnte, befahl der König das Folgende: Er, seine Frau, seine Kinder, und alles, was er besaß, sollte verkauft werden, um damit seine Schuld zu begleichen. Doch der Mann fiel vor ihm nieder und bat ihn: `Herr, hab doch Geduld mit mir, ich werde auch alles bezahlen.´ Da hatte der König Mitleid mit ihm, ließ ihn frei und erließ ihm seine Schulden. Doch sobald der Mann frei war, ging er zu einem anderen Diener, der ihm eine kleine Summe schuldete, packte ihn am Kragen und verlangte, dass er auf der Stelle alles bezahlen sollte. Der Diener fiel vor ihm nieder und bat ihn um einen kurzen Aufschub: `Hab doch Geduld mit mir, ich werde auch alles bezahlen.´ Doch der Mann war nicht bereit zu warten. Er ließ ihn verhaften und einsperren, so lange, bis dieser seine ganze Schuld bezahlt hätte. Als die anderen Diener das sahen, waren sie empört. Sie gingen zum König und erzählten ihm, was vorgefallen war. Da ließ der König den Mann rufen, dem er zuvor seine Schulden erlassen hatte, und sagte zu ihm: `Du herzloser Diener! Ich habe dir deine großen Schulden erlassen, weil du mich darum gebeten hast. Müsstest du da nicht auch mit diesem Diener Mitleid haben, so wie ich Mitleid mit dir hatte?´ Der König war so zornig, dass er den Mann ins Gefängnis werfen ließ, bis er seine Schulden bis auf den letzten Pfennig bezahlt hatte. Genauso wird mein Vater im Himmel mit euch verfahren, wenn ihr euch weigert, euren Brüdern und Schwestern zu vergeben.«
Ein Gott, der vergibt, wenn wir vergeben. Im Vaterunser beten wir: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und gleich nach dem Gebet sagt Jesus: “Wenn ihr denen vergebt, die euch Böses angetan haben, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben.
Wenn wir den Sinn der Vergebung verstehen, werden wir dankbar Gott gegenüber, wir werden barmherziger mit anderen und wir werden ehrlich mit uns selbst werden.

Zum ersten Punkt: Vergebung macht dankbar
In Psalm 130, 3-4 lesen wir:  “Herr, wenn du unsere Sünde anrechnen würdest, wer könnte da bestehen? Doch du schenkst uns Vergebung, damit wir lernen, dich zu fürchten.”
Wenn ich über meinen Tag und meine Woche nachdenke, sehe ich viel Sünde. Hier etwas Falsches gesagt, dort nicht freundlich gewesen. Gestern mich nicht unterordnet und viel zu nervös zu den Kindern gewesen. Dort die Wahrheit nicht ganz gesagt und über jemanden negativ gesprochen. Wenn Gott das alles aufschreiben würden, könnte ich nicht vor ihm bestehen. Und so ging es auch dem Diener, als der König die Abrechnung machte. Es hatte sich soviel angehäuft, dass er, seine Familie und alles Hab und Gut verkauft werden sollte, um die Schulden zu bezahlen. Er konnte nicht bestehen bleiben. Was dann geschieht, beschreibt auch Psalm 103, 8 – 12: Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und voll großer Gnade. Er wird uns nicht für immer Vorwürfe machen und nicht ewig zornig sein. Er bestraft uns nicht für unsere Sünden und behandelt uns nicht, wie wir es verdienen. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade gegenüber denen, die ihn fürchten. So fern der Osten vom Westen ist, hat er unsere Verfehlungen von uns entfernt.
Ein barmherziger und gnädiger Gott, der die Sünde aus unserem Leben nimmt und sie ganz weit weg legt. Bis zur Sonne sind wir umgeben von der Gnade Gottes. Wir können nur vor Gott bestehen, weil er uns vergeben hat.
Stimmt mich das dankbar? Wenn ich daran denke, wieviel Gott mir schon vergeben hat und das jeden Tag aufs Neue, kann ich da nicht jubeln vor Freude und Dankbarkeit?
Als Jesus bei Zachäus zu Gast war, war dieser Zöllner so dankbar, dass er die Hälfte seines Reichtums den Armen geben wollte und Menschen, denen er beim Steuer zahlen betrogen hatte, wollte er es vierfach zurückgeben. Das war Freude und Dankbarkeit pur.
Der Diener in der Geschichte wird wahrscheinlich sehr froh und erleichtert gewesen sein, dass noch einmal alles gut gegangen war. Er war frei. Ohne Schulden. Ob er dankbar war? Als er jemanden sah, der ihm eine kleine Summe schuldete und um Gnade bat, hatte er kein Mitleid und liess ihn ins Gefängnis bringen.
Leider bin ich immer wieder wie dieser Diener. Ich erlebe Vergebung, bin aber nicht bereit, andere zu vergeben. Ich halte sie fest. Ich halte das, was sie mir angetan haben, fest.
Vergebung sollte uns zu einem Zachäus machen. Aus lauter Dankbarkeit könnten wir sagen: Gott, ich vergebe jeden, der mir Unrecht getan hat und ich bitte dich darum, dass du diese Personen auch vergibst und dass du sie segnest.

Und das ist der zweite Punkt: Vergebung macht uns anderen gegenüber barmherziger.
Wenn mir bewusst wird, wie oft ich sündige und wieviel Gott mir vergeben hat und immer noch vergibt, werde ich barmherziger mit anderen. Barmherzig bedeutet: mitfühlend sein, Verständnis für die Not anderer zeigen. Verständnis zeigen, wenn der andere mal einen schlechten Tag hat und sich nicht von der besten Seite zeigt. Warum? Weil es mir auch immer wieder mal passiert.
Barmherzig sein und vergeben, wenn der andere schlecht über mich redet. Warum? Wie oft habe ich schlecht über andere geredet, stimmt? Und Gott hat mir vergeben. Sollte ich dieser Person dann nicht auch vergeben?
Barmherzig und vergebend sein, wenn andere Fehler machen, weil ich auch oft Fehler mache.
Barmherzig und vergebend, wenn jemand nicht gleich etwas versteht (z.B. meine Kinder), denn wie lange brauche ich, bis ich etwas Neues gelernt habe.
Wenn ich barmherzig bin und vergebe, bedeutet das nicht, dass ich das, was Geschehen ist, gutheisse. Wenn jemand schlecht über mich spricht und ich ihr vergebe, heisst das nicht, dass es gut oder richtig war, was die andere Person über mich gesagt habe. Ich habe mich entschieden zu vergeben, weil Gott mir auch vergeben hat.
Es bedeutet auch nicht, dass ich so tun muss, als sei ich nicht verletzt. Jemand hat mich mit bösen Worten beleidigt. Ich fühle den Schmerz, auch wenn ich diese Person zu vergeben.
Vergeben bedeutet für mich, darüber im Klaren zu sein, was geschehen ist und trotzdem zu vergeben. Ich treffe mit der Vergebung die Entscheidung, dass Unrecht nicht anzurechnen, die Person nicht zu strafen und nicht darüber zu reden. Stellen wir uns vor, unsere Nachbarin hat ein falsches Gerede über uns verbreitet. Wir entschliessen uns, ihr zu vergeben – denn wir wissen, wie oft wir schon mitgeredet haben. Es schmerzt, was sie über mich gesagt hat und ich vergebe trotzdem. Ich werde es nicht anrechnen. Ich gebe es bei Gott ab. Dann entschliesse ich mich, diese Nachbarin nicht zu strafen, indem ich etwas negatives über sie erzähle oder sie nicht mehr grüsse. Im Gegenteil, ich bin genauso freundlich wie immer. Und, ich erzähle es auch nicht weiter, was diese Nachbarin mir angetan hat. Ich habe vergeben und es ist bei Gott. Wenn ich den Mut habe, bitte ich noch um Gottes Segen für die Nachbarin.
Zu dieser Vergebung fordert Paulus die Epheser und Kolosser auf. In Epheser 4, 31-32 heisst es: Befreit euch von Bitterkeit und Wut, von Ärger, harten Worten und übler Nachrede sowie jeder Art von Bosheit. Seid stattdessen freundlich und mitfühlend zueinander und vergebt euch gegenseitig, wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Und in Kolosser 3, 13: Seid nachsichtig mit den Fehlern der anderen und vergebt denen, die euch gekränkt haben. Vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat und dass ihr deshalb auch anderen vergeben müsst.

Mit diesem “vergesst nicht, dass der Herr euch vergeben hat” sind wir beim dritten Punkt: wenn wir vergeben, werden wir uns selbst gegenüber wahrhaftiger. Wenn ich vergebe, werde ich ehrlicher mit mir selber. Wenn ich meine Nachbarin vergebe, merke ich, wie oft ich lieblos und falsch gehandelt habe. Wenn ich meine Eltern vergebe, weil ihr Verhalten mich verletzt hat, erkenne ich, wie verletzend mein Verhalten zu meinen Kindern ist. Wenn ich meine Freundin vergebe, merke ich, dass ich ihr auch nicht immer eine gute Freundin bin. Vergebung lässt mich in den Spiegel schauen und was ich sehe, ist nicht sauber und perfekt. Ich mache genauso so viele Fehler wie die anderen, ich rede negative über andere, ich verletze mit meinen Worten und mein Verhalten. Ich bin lieblos und manchmal zu faul, um etwas Gutes zu tun. Kein Wunder, dass Jesus zu den Leuten, die die Ehebrecherin steinigen wollten, sagte: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Als Jesus anfing in den Sand zu schreiben, sahen sie, wieviel Sünde in ihrem eigenen Leben war.
“Der Sinn der Vergebung liegt darin, dass wir Gott gegenüber dankbarer, anderen gegenüber barmherziger und uns selbst gegenüber wahrhaftiger werden,” sagt Hans-Joachim Eckstein.
Gott hat uns vergeben, das macht uns dankbar. Diese Dankbarkeit macht uns barmherziger mit den Menschen um mich herum. Und wir werden dadurch ehrlicher mit uns selbst. So können wir von ganzem Herzen beten: Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.