Donnerstag, 19. Juni 2014

Lichtblicke

Graue, trübe Zeiten. Kurze Tage, lange dunkle Nächte. Kühler Wind auf der Haut. Weicher Regen durchnässt die Erde. Die Pflanzen und Bäume, auf der Suche nach der Sonne, lassen Blumen wachsen. 

Die Menschen verkriechen sich in ihren Häusern. Hängen trübe Gedanken nach. Das graue Wetter legt sich auf das Gemüt. Auf der Suche nach der Sonne schauen sie in die dunklen Wolken. 

Warum in die Ferne schauen, wenn das Glück liegt so nah?, fragte Johann Wolfgang von Goethe. Warum in die Wolken schauen, wenn die Blumen blühen leuchtend hell? frage ich. 


Zwei Gefangene sahen durch die Gitter in die Ferne; der eine sah nur Schmutz, der andere die Sterne. Zwei Menschen sahen durch die Fenster nach draussen, der eine sah das trübe Wetter, der andere die Blumenpracht.

Graue, trübe Zeiten. Kurze Tage gefüllt mit den schillernden Farben der Natur; lange dunkle Nächte gefüllt mit warmen Gedanken der Dankbarkeit. 

Dienstag, 17. Juni 2014

Der etwas andere Schwindel

Heute Morgen am Frühstückstisch sprachen wir über Gott und die Menschen, die auf dieser Welt leben. Ich finde die Gedanken der Kinder stets erfrischend und von einer Tiefe, die manch einem Erwachsenen fehlt.

So erzählte unser Fünfjähriger, dass man schwindlig wird, wenn man sich zu lange um sich selbst dreht. Welch eine Wahrheit! Wer sich zu lange und zu intensiv mit sich selbst beschäftigt, verliert das Gleichgewicht - im wahrsten Sinne des Wortes. Wer es schafft, eine gesunde Balance zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe zu halten, erlebt weniger Schwindelgefühle. 

Wie findet man dieses Gleichgewicht? Indem ich mir bewusst bin, wie vergänglich ich bin und das ich im Riesenrad dieses Lebens und dieser Welt nur ein kleines Rädchen bin. Mehr dazu hier: http://sonneschokoladesombrero.blogspot.com/2013/12/nur-ein-kleines-radchen-im-getriebe.html

Und indem ich loslasse. Was loslassen? Mich selber. Wenn ich mich loslasse, höre ich auf auf, mich um mich selbst zu drehen. Es geht nämlich nicht um mich und wie es mir geht und wie ich mich fühle und wie ich es möchte und wie ich es mir wünsche. Es geht einfach nicht um mich - wie es hier beschrieben ist: http://sonneschokoladesombrero.blogspot.com/2013/12/es-geht-nicht-um-mich_24.html

Die bekannten Worte aus der Bibel  lauten: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Den Nächsten wie sich selbst lieben. Nicht mich erst lieben und dann den Nächsten. Auch nicht den Nächsten mehr lieben als sich selber. Wer hier eine Seite mehr betont, gerät schon in Gefahr Schwindel zu erleben - weil man sich entweder zu sehr um  den Nächsten dreht oder zu sehr um sich selbst. 

Wer sich zu lange um sich selbst dreht, dem wird schwindlig, die Erkenntnis eines Fünfjährigen am Frühstückstisch.

Samstag, 14. Juni 2014

Zufriedenheit

 Im Chaco regnet es. Seit Wochen. Ein echter Chaqueño liebt den Regen. Doch bei so viel Regen sinkt die Begeisterung über das Wetter. Überschwemmungen im Land, Kälte und schlechte Wege, die das Fahren fast unmöglich machen, sind Hauptthemen in den Nachrichten und Gesprächen. Wenn die Sonne sich einige Tage nicht zeigt, wächst die Unzufriedenheit. Der Chaco ist halt bekannt für Sonne, Hitze und Trockenheit. Doch bei zuviel Hitze und zu langen Trockenzeiten klagen wir auch. Wo bleibt nur der Regen?

Gestern abend las ich die Geschichte einer Missionarin, die 52 Jahre lang unter den primitivsten Bedingungen in Afrika gelebt hatte. Kein Komfort und Temperaturen über 49 Grad Celsius gehörten zum Leben. Ihre Tochter fand später einen Tagebucheintrag, der zeigte, wie diese Missionarin mit ihrer Situation klar gekommen war. Sie hatte für sich folgende Punkte aufgeschrieben:

"Erlaube dir niemals, über etwas zu klagen, auch nicht über das Wetter.

Male dir niemals aus, wie es wäre, unter anderen Umständen oder an einem anderen Ort zu leben.


Vergleiche dein Los niemals mit dem eines anderen.

Gestatte dir niemals den Wunsch, dass dies oder das anders wäre.

Grüble niemals über das Morgen nach, sondern denke daran, dass es nicht uns, sondern Gott gehört." 
(Aus: "In deiner Hand geborgen"  Gott neu vertrauen lernen  von Linda Dillow, Gerth Medien)

Herausfordernde Worte, nicht wahr? Wenn ich Punkt Eins schaffe - wenigstens teilweise - habe ich schon einen grossen Schritt in Richtung "Zufriedenheit" gemacht. Ich wünsche uns, dass wir im Hier und Jetzt leben könnten, mit dankbarem Herzen und ohne Sorgen auf das Morgen.

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein Rückblick mit einem DANKESCHÖN

Im August letzten Jahres startete ich diesen Blog. Wenn ich einen Gedanken hatte, der mich tief und lange bewegte, schrieb ich ihn auf und stellte ihn hier rein. Es gab Wochen und Monate da fehlte mir die Zeit zum schreiben oder es kamen keine inspirierende Ideen. Es gab Momente, da hätte ich jede Woche ein oder zwei Artikel schreiben können. 
Die Herausforderung war und ist meine Gedanken einer grossen Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich weiss nicht, wer meinen Blog liest. Ich kenne nur einige Leser, weil sie entweder mein Mann oder meine Eltern sind :-) Andere Leser lerne ich kennen, wenn sie mir schreiben oder mich persönlich ansprechen. Deshalb heute ein dickes DANKE an die vielen Mutzusprüchen, die ich in dieser Zeit bekommen habe. DANKE!!!!!! 
Warum dieser Rückblick? Weil ich 30 Einträge geschrieben habe. Mit diesem schon der 31. Eintrag. Der beliebteste Artikel, d.h. der Artikel der das meiste gelesen wurde, ist:

1. Ich sage jedesmal NEIN
Auf Platz Zwei kommt: Das Leben bunt malen
Platz Drei: Ein Leben ohne schlechtes Gewissen
Platz Vier: Hier blogge ich
5. Facebook - meine Erfahrungen und Gedanken
6. Frei sein dank der Tränen in meinen Augen
7. Warum ich schwierige Menschen mag
8. Auf Wechsel gefasst sein
9. Mich motivieren lassen
10. Nachdenken verboten!

Vielen, lieben Dank für eure Unterstützung!!!! Auf die nächsten 30 Artikel, die bald kommen!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Ein Leben ohne schlechtes Gewissen

Diese Woche stellte ich mir vor, gewisse Wörter hätten keine Bedeutung. Noch besser: sie wären nie erfunden worden. Keiner würde sie sagen, geschweige denn kennen. Niemand würde je etwas von Ozonloch, Erderwärmung, Biogemüse, Aspartam, Cholesterin, Kalorien, 90-60-90, Typ-Stil-Farbberatung, Selbstverwirklichung oder Stress gehört haben.
Was können wir noch essen oder anziehen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Kaufe ich mein Gemüse im Supermarkt muss ich in Kauf nehmen, dass die Tomaten zu viel Gift und die Gurken falsch gelagert sind und keine Nährstoffe mehr enthalten. Also kaufe ich konservierte Lebensmittel und gehe das Risiko ein, meinen Körper mit Aspartam (ein synthetisch hergestellter Süßstoff) zu schädigen. Ziehe ich mich nach der neuesten Mode an, lass ich mich von der Mode diktieren und habe keinen eigenen Stil. Ziehe ich an was mir gefällt, sind meine Problemenzonen zu sehen und ich gebe meinem Gegenüber einen falschen Eindruck von mir. Bin ich zuhause und kümmere mich um Familie und Haushalt, vernachlässige ich meine Gaben und Fähigkeiten. Verwirkliche ich mich selbst und versuche Familie, Haushalt und Beruf unter einem Hut zu kriegen, erlebe ich früher oder später Stress oder die nächste Stufe: ein Burnout (was “ausgebrannt sein” bedeutet).
Was ich auch tue, irgendetwas mache ich jedesmal falsch. Meine Frisur und Haarschnitt soll anscheinend 70% meiner Erscheinung ausmachen. Meine Hände sind meine Visitenkarte und meine Worte machen nur 10% von dem aus, was ich zu sagen habe. Ach ja, die Schuhe habe ich vergessen. Sie haben auch noch etwas wichtiges über mich als Person zu sagen. Was es ist, habe ich leider vergessen. Meine Hüften muss ich mit der Hilfe von dunklen Hosen und passend geschnittene Röcke verstecken und mein langer schlanker Oberkörper wird mit einer speziellen Bluse in Szene gesetzt, damit mein Gegenüber sich auf meine vorteilhaften Körperteile konzentrieren kann.
Was tun mit den vielen Botschaften die wir tagtäglich hören, lesen oder sehen und die uns anscheinend schöner, gesunder und glücklicher machen sollen? Bei mir verursachen sie nur ein schlechtes Gewissen. Ständig übertrete ich eine Ernährungs-, Schönheits- oder Umweltregel. Jemand wird es jedesmal besser wissen als ich und mich darauf aufmerksam, dass ich die falsche Entscheidung getroffen habe. So sitze ich da, wieder mit einem schlechten Gewissen. Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass ich das Spiel mitspiele. Ich nehme mir die Freiheit andere für ihre Entscheidungen zu kritisieren und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. So bin ich nicht alleine mit meinem plagenden Gewissen.
Wenn diese Wörter, die ich oben erwähnte, keine Bedeutung hätte. Wenn es sie nicht mal gäbe, wie würde mein Leben dann aussehen? Was würde sich ändern? Wie würde ich denken und fühlen? Wie würde ich meinen Gegenüber sehen und behandeln? Ich bin dabei eine Antwort für mich zu finden. In der Zwischenzeit esse ich Gelatine (die Aspartam enthält), mache mir einen Salat mit Tomaten aus dem Super und grille mir Fleisch unter dem freien Himmel in einem Outfit das weder der Modewelt noch meinem persönlichen Stil entspricht.

Donnerstag, 3. April 2014

Den Blickwinkel verändern

“Ich sehe, was du nicht siehst, und das ist ...” spielten wir als Kinder. Der “Sehende” beschrieb den Gegenstand mit einem Wort und die übrigen Spieler – die “Nichtsehenden” mussten diesen Gegenstand suchen. So wurde die ganze Umgebung nach diesem Wort (z.B. rund oder gelb) abgesucht. Wer den Gegenstand gefunden hatte, war der Gewinner und damit der nächste “Sehende” der die “Nichtsehenden” auf ein weiteres Objekt aufmerksam machen durfte.

Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass ich eine Nichtsehende bin. Ich sehe das ganze Bild, den ganzen Tag, die ganze Arbeit, die ganze Verantwortung oder die ganze Last einer Sorge. Obwohl ich sehe, sehe ich die Details nicht. Ein sehenedes Nichtsehen. Die Einzelheiten sind ausgeblendet. Wie bei einem etwas verwilderten Garten. Das ganze Bild sieht unordentlich aus, der Garten ist ungepflegt und riecht nach Arbeit und Muskelkraft.


Heute Morgen, als mein Mann und meine Tochter das Haus verliessen, winkten sie mir fröhlich zu und im selben Moment stand der kleine Hund neben mir. Mit ihrem kleinen, zerbissenen Ball im Maul und bettelte mit ihren Augen, dass ich mit ihr spielte. Ich warf den Ball weg und sie lief begeistert hinter her. Ein Moment vollkommener Freude und Liebe erfüllte mich. Plötzlich sah ich. Ich sah für einen Moment die Liebe, die das Leben für mich bereithält. An den meisten Morgen sehe ich die Arbeit und die Verpflichtungen, die auf mich warten. Ich sehe den langen, manchmal anstrengenden Tag und die vielen Aufgaben, die zu erfüllen sind. Wie das Bild von dem etwas verwahrloste Garten. Heute sah ich die Liebe.


Wenn ich in die Knie gehe und mir den Garten genauer anschaue (ganz im Sinne des Spiels “Ich sehe, was du nicht siehst...”) bemerke ich die Schönheit der Natur. Blumen in allen Größen, Formen und Farben. Winzige Ameisen, die emsig arbeiten. Laub und wunderschöne Knospen.

Um diese Schönheit zu sehen, muss ich in die Knie gehen. Ich muss meine aufrechte Position beugen. Mich bücken und genau hinschauen.

An Tagen, an denen ich vor Gott in die Knie gehe, sehe ich besser. Wenn ich meine aufrechte Position verlasse und mich vor ihm, dem allmächtigen Gott, beuge, bemerke ich die Schönheit in meinem Alltag. Ich sehe die Liebe, die er für mich bereithält. Auch wenn es nur das Abschiedswinken meiner Familie oder das freundliche Schwanzwedeln eines kleinen Hundes ist, der mit mir spielen möchte. Ich erlebe die Freude des Lebens bewusster und tiefer. Mir wird klar, wie groß die Gnade Gottes ist, wenn ich wieder mal versagt habe und trotzdem eine neue Chance bekomme.


Gebeugte Knie geben mir eine bessere Sicht auf die Einzelheiten in meinem Alltag und in meinem Leben.

Ich sehe, was siehst du heute?

Dienstag, 11. März 2014

Wenn die Motivation fehlt

Heute erhielt ich endlich ein langersehntes Buch. Es ist ein Handbuch zum Thema “Schreiben.” Auf 350 Seiten werden Techniken, Beispiele und Übungen präsentiert. Während ich begeistert durch das Buch blätterte, merkte ich, wie ich die Motivation zum Schreiben vermisst hatte. Sie war weg. Einfach irgendwo im Alltag zwischen den Abwasch und den Hausaufgaben der Kinder verschwunden. Kein Thema bewegte mich so stark, dass ich darüber schreiben wollte. Tage und Wochen vergingen und die Motivation blieb aus.
Jetzt, als ich dieses Buch in den Händen hielt, war sie wieder da. Plötzlich. Einfach nur so. Und ich merkte, dass ich mir nicht die Zeit genommen hatte, mich motivieren zu lassen. Wenn meine Kochkünste nachlassen, schaue ich mir Kochshows an, um mich neu begeistern zu lassen oder ich blättere in Rezeptbücher. Noch besser: ich kaufe mir ein neues Rezeptbuch und probiere neue Gerichte aus. Wenn mein Sinn für Ordnung und Schönheit mich verlässt, blättere ich durch Wohnmagizine, lese Blogs zum Thema oder klicke mich durch die vielen Bilder bei Pinterest.
Wenn die Begeisterung für eine Arbeit oder ein Thema schwächer wird, suche ich mir Möglichkeiten, sie neu zu entfachen. Nur hatte ich es diese Runde vergessen. Einfach nicht daran gedacht, mich selber einen Stoß in die richtige Richtung zu geben. Stattdessen erwartete ich, dass die Motivation von selber kommen würde. Ich hoffte, eines Morgens mit einem bestimmten Thema im Kopf aufzuwachen und loszuschreiben. Der Morgen kam nicht. Doch als ich das neue Buch in der Hand hielt, war sie wieder da. Eine Inspiration an Ideen und Gedanken überrollten mich und ich setzte mich hin und schrieb. Ein Blick ins Buch und meine Begeisterung zum Schreiben war wieder da.
Mein Fünfjähriger kennt mich wohl besser als ich, denn heute sagte er, er würde mir ein “Lesebuch” zum Geburtstag schenken – ein ganz dickes. Er hat mich gut beobachtet. Ein gutes Buch mit guten Gedanken und schon bin ich hin und weg. Neue Bücher, neue Ideen, neue Gedanken, neue Bilder bewegen mich, treiben mich an und helfen mir, mehr aus meinem Alltag zu machen. Dank eines Buches über Schreiben hatte sich meine verloren gegangene Motivation wieder gefunden.
Was motiviert dich? Was treibt dich an? Was begeistert dich? Wie findest du neue Motivation im Alltag?

Samstag, 18. Januar 2014

Warum ich schwierige Menschen mag

Es gibt sie überall – diese sogenannten - “schwierigen Persönlichkeiten.” In der Familie, in der Verwandschaft, unter den Freunden, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde, im Verkehr, im Supermarkt und sogar im Facebook. Gehen wir diese Person aus dem Weg, treffen wir garantiert um die Ecke eine andere. Sie sind da und sie sind Teil dieser Welt – genauso wie ich.
Nach vielen Begegnungen und manch schmerzhaften Erfahrungen lerne ich sie langsam zu schätzen und zu mögen. Ich mag nicht so sehr ihre schwierige Persönlichkeit, sondern was die vielen Erlebnisse mit ihnen mich gelehrt haben und wie sie mich geformt haben.
Gestern abend las ich einen Artikel über den Umgang mit unseren komplizierten Zeitgenossen. Die  Ausführungen war das fehlende Puzzlestück in meinen Überlegungen über meine Erfahrungen mit kräftezehrende Menschen. Er ermutigte mich zur Ehrlichkeit: Ja, es gibt schwierige Menschen! Ja, sie haben mir wehgetan und manche Wunden sind noch nicht vollständig geheilt. Diese Ehrlichkeit soll keine Verurteilung sein, sondern soll mir helfen, die Tatsache ins Auge zu schauen und ehrlich vor mir selbst zu werden. Und das ist einer Gründe, warum ich komplizierte Personen anfange zu mögen.

Grund Nummer Eins: sie zwingen mich zur Ehrlichkeit. Solange ich versuche es ihnen alles Recht zu machen, werde ich weiter verletzt und plage mich mit ihnen, statt sie stehen zu lassen und so sein zu lassen, wie sie sind. Ich brauche es nicht der ganzen Welt erzählen, welche Familienmitglieder oder Freunde eine schwierige Persönlichkeit haben. Ehrlichkeit beginnt bei mir im Herzen. Durch diese Ehrlichkeit werde ich ein Stückchen freier und ich nehme ihr Verhalten nicht mehr so persönlich. Das ist doch ein guter Grund, eine schwierige Person zu mögen, nicht wahr? Wer will nicht ehrlicher und freier leben?!

Grund Nummer Zwei: sie helfen mir Grenzen zu setzen. Wie oft können wir nicht NEIN sagen oder lassen zu, dass unsere persönlichen Grenzen überschritten werden. Wenn ich anfange ehrlich zu werden und meinen komplizierten Nächsten so sehen wie er ist, kann ich besser Grenzen setzen. Ich höre auf, alles zu tun, damit diese Person sich “besser benimmt” oder es leichter hat. Wie der Artikel es hinstellte, will eine schwierige Persönlichkeit sich nicht ändern. Warum auch? Alles richtet sich nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Wenn ich das erkannt habe, kann ich endlich eine Grenze ziehen und ihr die Verantwortung für ihr Verhalten zurückgeben. Ich kann NEIN sagen und mir das Drama ersparen. Grenzen setzen ist gesund und hilft mir, auf mein eigenes Leben zu schauen. Wenn ich es schaffe, mich abzugrenzen und mein eigenes Leben zu leben, statt das des komplizierten Nächsten, kann ich doch nur dankbar dafür werden.

Grund Nummer Drei: sie setzen mir einen Spiegel vor. Es gibt Tage, da benehme ich mich unmöglich. Ich bin launisch und gereizt und möchte, dass alles nach meiner Nase tanzt. Wenn ich dann so richtig in Schwung bin und das Universum herumkommandiere, fällt mir die letzte schmerzhafte Begegnung mit einer Person ein, die sich genauso benahm. Diese Erinnerung kann ziemlich ernüchternd sein. Mir wird bewusst, wie daneben und unangenehm ihr Verhalten war und das ich in dieselben Fussstapfen getreten bin. Im Nachhinein bin ich nur dankbar dass es komplizierte Menschen gibt, die mir einen Spiegel vorhalten und mir dadurch helfen, mich wieder in den Griff zu kriegen.

Grund Nummer Vier: schwierige Persönlichkeiten zeigen mir die Liebe und die Gnade Gottes auf eine ganz besondere Weise. Gott hat jeden Menschen geschaffen. Jeden! Er wusste, dass manche ständig mit ihren Verhalten anecken und andere dadurch verletzen würden. Er hat sie trotzdem gemacht. Er hat sie auch lieb und schenkt ihnen diesselbe Gnade wie mir. Es zeigt mir, dass ich nicht besser bin als sie. Ich bin vielleicht (das sei dahingestellt) unkomplizierter und pflegeleichter. Aber ich bin nicht besser. Nicht frommer und nicht gescheiter. Mein komplizierter Nächste und ich bekommen dieselbe Liebe und Gnade. Deshalb lerne ich durch diese Menschen Gott ganz besonders kennen. Ein guter Grund, sie zu mögen, nicht wahr?

Es gibt noch viele andere Gründe: sie lehren mich zu vergeben, wie Gott mir vergibt. Sie helfen mir, mit Widrigkeiten im Leben umzugehen. Sie zeigen mir, dass es sich lohnt, mich und meine Gefühle im Griff zu haben. Nur um einige zu nennen.
Schwierige Menschen werden um uns sein, bis wir diese Erde für immer verlassen. Wir können sie mögen und die Vorteile bewusst suchen, die ihr Verhalten in meinem Leben bewirkt. Manchmal werden wir intensiv suchen müssen. Oder wir können sie hassen (ein starkes Wort) und uns an ihrem Verhalten stören. Damit tun wir nur keinem etwas Gutes – nicht ihnen (denn sie ändern sich wahrscheinlich nicht) und mir auch nicht. Denn dadurch binde ich mich an sie, statt frei zu werden und mein eigenes Leben zu leben. Ich habe beschlossen, sie zu mögen und mich durch die manchmal schmerzhaften Erfahrungen, formen zu lassen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Einfach nur bitten

Ich habe es schon oft gelesen. Ich verstehe es auch. Ich glaube auch, dass es wahr ist. Ich wende es nur nicht an. Heute morgen las ich es wieder. Ich schrieb es auf und plötzlich überwältigte mich der Gedanke. So klar und so einfach. Ich brauchte es nur anwenden.
Wer kennt das nicht? Da lese ich jahrelang einen Bibelvers und plötzlich erkenne ich die volle Bedeutung des Verses. Dabei kenne ich ihn. Habe ihn schon oft gehört, nur nicht angewandt. 

Folgende Verse haben es mir heute Morgen angetan.
Matthäus 21, 22: “Wenn ihr glaubt, werdet ihr alles bekommen, worum im Gebet bittet.”
Johannes 14, 13 – 14: “Ihr dürft in meinem Namen um alles bitten, und ich werde eure Bitten erfüllen, weil durch den Sohn der Vater verherrlicht wird. Bittet, um was ihr wollt, in meinem Namen, und ich werde es tun!”
Matthäus 7, 7-8: “Bittet, und  ihr werdet erhalten. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und die Tür wird euch geöffnet werden. Denn wer bittet, wird erhalten. Wer sucht, wird finden. Und die Tür wird jedem geöffnet, der anklopf.”

Gebet: Jesus, ich muss zugeben, dass ich nicht oft genug bitte. Statt dich um etwas zu bitten, versuche ich es selber oder fange nicht mal an. Es ist mir neu bewusst geworden, dass ich dich um alles, einfach ALLES bitten darf. Und mir fallen gleich 1000 Dinge ein, um die ich dich bitten will. 
Vergibt mir, dass ich dich bis jetzt um so wenig gebeten habe. 
Bitte hilf mir, meine Bitten – die heute zahlreich sein werden – von meinen egoistischen Wünschen zu trennen. Lass meine Bitten durch dich Gott verherrlichen. 
Danke, dass ich dich um ALLES bitten darf. 
Und ich bitte dich jetzt um...

Montag, 30. Dezember 2013

Frei sein dank der Tränen in meinen Augen

Ich lese gerne Bücher ueber den minimalistischen Lebensstil. Beim Minimalismus geht es darum, das Leben zu vereinfachen. Je einfacher, desto freier ist der Mensch, so eine Grundhaltung der Minimalisten. Mir gefällt diese Einstellung. Es fasziniert mich, wie Menschen bewusst verzichten, um das Leben voll auszukosten.
Immer wieder suche ich mir Bücher, die diesen Lebensstil beschreiben und wende einige der Tips an, um mein Leben, meinen Haushalt und meinen Alltag zu vereinfachen. Das "weniger mehr" ist, erlebe ich, wenn ich die Methoden der Minimalisten anwende.
Diese Tage fand ich wieder ein praktisches Buch über den Minimalismus. Einige Ideen waren mir schon bekannt und bei einigen hatte ich Lust, sie gleich umzusetzen. Doch dann stieß ich auf einen Gedanken, der mich seitdem nicht mehr loslässt. Am Anfang wusste ich nicht, was er mit einem einfachen Lebensstil zu tun haben sollte, weil er -im ersten Moment - das Leben zu erschweren schien. Ein Vortrag von Anselm Grün, den ich in Youtube sah, bestätigte den gelesenen Gedanken. Heute morgen fand ich in den Psalmen, wie wertvoll die Anwendung dieser Idee ist. Noch habe ich kein genaues Bild, wie ich das Gelesene in meinem Leben praktisch anwenden kann, doch ich denke darüber nach und lasse es zu, dass es mich beschäftigt.
Das ist auch der Inhalt des Gedankens: das Zulassen und das Beschäftigen. Nämlich das Zulassen und Beschäftigen mit dem Schmerz in mir. Damit meine ich nicht körperliche Schmerzen. Ich spreche von einem innerlichen Schmerz. Es ist der seelische Schmerz. Der Schmerz, wenn ich abgelehnt werde. Der Schmerz, wenn ich verletzt worden bin – sei es durch Worte oder Handlungen. Der Schmerz, wenn ich eine traurige Geschichte lese und mir die Tränen hochsteigen. Der Schmerz, wenn Erlebnisse aus der Vergangenheit mich einholen. Der Schmerz, wenn ich das Unrecht auf dieser Welt wahrnehme und verzweifeln will.
Diesen Schmerz darf ich zulassen. Ich darf über das Unrecht dieser Welt weinen. Ich darf weinen, wenn ich abgelehnt oder verletzt werde. Ich darf Tränen zulassen, wenn mich ein Gedanke oder eine Geschichte tief in meinem Herzen bewegt. Indem ich den Schmerz zulasse, erlebe ich Befreiung und Freiheit. Wenn ich den Schmerz unterdrücke oder überspiele, werde ich sein Sklave. Und da fängt der minimalistische Lebensstil an. Das Zulassen von Schmerz bringt mich in eine neue Freiheit. Das Verdrängen macht mich jedoch zu einem Sklaven. Wie? Um den Schmerz zu verdrängen, suche ich Wege und Mittel um ihn zu vergessen. Ich stopfe mich voll Essen, um die innere Leere auszufüllen. Ich kaufe mir schöne, aber unnötige Dinge, um den Schmerz der Ablehnung zu umgehen. Ich rede schlecht über die Person, die mich verletzt hat, um den Schmerz besser auszuhalten. All diese Aktionen sollen mir helfen, meinen Schmerz zu übertönen und sie füllen mein Herz mit negativen Gedanken, meinen Körper mit unnötigen Kalorien und mein Haus mit unnötigen Sachen. Am Ende fühle ich mich nur noch schlechter und spüre den verdrängten Schmerz doppelt und so dreht sich der Kreis wieder.
Wenn ich den Schmerz zulasse, geht es mir wahrscheinlich ein Weilchen sehr schlecht. Das ist auch, wie einige Psychologen behaupten wollen, der Grund für die vielen Depressionen und Angstattacken. Wir glauben, wir müssen uns immer gut fühlen. Wir müssen immer gut drauf sein und lächeln. Deshalb brauchen wir all diese Hilfsmittel wie Essen, shoppen gehen, schlecht über andere reden, mich andauernd beschäftigen, Internetsucht usw. Für eine ganz kurze Zeit geht es mir besser und dann meldet sich der Schmerz zurück.
Wenn ich es zulasse, dass der Schmerz mich einholt brauche ich viel Kraft ihn auszuhalten. Wenn ich diese Kraft aufbringe, bin ich am Ende noch stärker. Das Zulassen des inneren Schmerzes macht mich stärker, statt schwächer. Ich sehe am Ende klarer. Kann die Ablehnung und die Verletzung besser ertragen. Kann sie gelassener nehmen. Warum? Weil ich merke, dass auch ich ablehne und verletze. Indem ich den menschlichen Schmerz in mir zulasse, erkenne ich, wie menschlich ich bin. Und ich lebe leichter. Das Motto des Minimalismus. Zugelassener Schmerz verschwindet mit der Zeit. Unterdrückter Schmerz wächst in mir und wird größer und fordernder. Ich brauche immer mehr Hilfsmittel, um ihn unter Kontrolle zu halten.
Was mich heute Morgen beim Nachdenken über diese Gedanken einfach umgehauen hat, war ein Vers aus Psalm 56 Vers 9: “Du zählst alle meine Klagen und sammelst alle meine Tränen in einem Gefäß, ja, du hast jede einzelne in deinem Buch festgehalten.” Gott, der Allmächtige, sieht meine Tränen. Er nimmt sie wahr. Sie sind ihm nicht egal. In Gegenteil, er führt Buch über meinen Schmerz. Während ich meine Schmerzen verdränge, schreibt Gott sie auf. Während ich shoppen gehe um mich zu betäuben, sammelt Gott meine Tränen auf. Während ich schlecht über andere rede, um den Schmerz auszuhalten, zählt er meine Verletzungen. Diese Erkenntnis hat mich umgeworfen.
Gott sieht meinen Schmerz und ich darf es auch. Wenn ich meinen Schmerz zulasse, lasse ich in Wirklichkeit los. Durch meine Tränen kann der Schmerz der Ablehnung oder der Verletzung weggeschwemmt werden. Sie schwimmt direkt in Gottes Gefäß, der sie für mich sammelt. Und ich werde frei. Frei für ein Leben ohne unnötigen Ballast. Ich werde frei und brauche nicht unnötige Kalorien in mich hineinstopfen. Ich werde frei vom Drang Sachen zu kaufen, die mein Haus und meinen Kleiderschrank füllen, aber mein Herz leer lassen. Ich werde frei von negativen Gedanken und Worte über meinen Nächsten.
Zulassen bedeutet loslassen. Ich lasse die inneren Schmerzen in mir los. Gott kennt sie. Er sieht sie. Er hat sie schon gezählt und aufgeschrieben. Wenn er meinen Schmerz aushält, kann ich es auch. Die Freiheit wartet hinter den Tränen auf mich. Schmerz zulassen um frei zu werden. Eines der Gründe, warum mich der minimalistischen Lebensstil fasziniert.