Freitag, 11. Juli 2014

Mit Kraft und Zuversicht durch den Tag

Claudia Jung sing ein Lied, das sich “1000 Frauen” nennt. Im Refrain heißt es: Ich bin Mutter, ich bin Hausfrau, ich bin Köchin und ich wasch den Wagen, ich hab tausend Jobs auf einmal und alle unbezahlt. Ich bin Putzfrau, ich bin Ärztin und Expertin in Beziehungsfragen, und wenn mich jemand fragt: Wie kriegst du das bloß hin? Ist doch easy, super easy, weil ich tausend Frauen bin.
An manchen Tagen haben wir als Frauen das Gefühl, dass wir tausend Frauen gleichzeitig sind. Und so easy- so leicht, superleicht, wie sie es besingt, ist es nicht. Obwohl – es gibt in der Bibel zwei Verse, da scheint es für uns Frauen superleicht zu sein. Diese Verse stehen in Sprüche 31, 25-26: Sie strahlt Kraft und Würde aus, und sie lacht und hat keine Angst vor dem kommenden Tag. Wenn sie spricht, sind ihre Worte weise, und sie erteilt ihre Anweisungen in freundlichem Ton. (Neues Leben Bibel)
Die Elberfelder Bibel schreibt so: Kraft und Hoheit sind ihr Gewand, und unbekümmert lacht sie dem nächsten Tag zu. Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und freundliche Weisung ist auf ihrer Zunge.
Diese zwei Verse beschreiben 3 besondere Eigenschaften, die eine Frau haben kann: Wie sie ist (Kraft und Würde), wie sie in die Zukunft schaut (unbekümmert und lachend) und wie sie spricht (weise und freundlich).
Wenn wir diese Eigenschaften haben, können wir mit dem Lied mitsingen: ist doch leicht, superleicht.
Doch wie bekommt man diese drei Eigenschaften? Wo kann man sie kaufen und wieviel kosten sie?
In einem Buch über Billy Graham, dem großen Evangelisten, der 60 Jahre lang evangelisiert hat, las ich, dass er jeden Tag 5 Psalme und 1 Kapitel aus den Sprüchen las – neben seiner täglichen Bibellese. Im Dezember vorigen Jahr probierten wir es als Ehepaar aus. Fast jeden Tag lasen wir mindestens 3 Psalme und ein Kapitel aus Sprüche. Am Anfang war es etwas ungewohnt, soviel und so oft Psalme zu lesen. Mit der Zeit merkten wir, wie diese Psalme uns Kraft gaben. Dezember ist ein anstrengender Monat, mit viel Arbeit und viele Stunden im Geschäft. Die Psalme und die klugen Ratschläge machten uns Mut, unser Vertrauen jeden Tag neu auf Gott zu setzen. Das Leben wurde nicht leichter oder die Probleme weniger, wir wurden gelassener, weil wir jeden Tag lernten, Gott zu vertrauen.
Später las ich ein weiteres Buch über Ruth und Billy Graham. Beide lasen jeden Tag 5 Psalme und 1 Kapitel aus Sprüche. Es gibt 150 Psalme und wenn man jeden Tag 5 Kapitel liest, schafft man sie in einem Monat. Bei den Sprüchen lasen sie einfach die Kapitel nach dem Monatstag – erster Tag im Monat, erstes Kapitel. So weiß man immer, wo man gerade ist. Beim Lesen des Buches über das Ehepaar Graham fiel mir auf, welche Kraft und Würde Ruth, die Frau von Billy ausstrahlte. Sie war oft mit 5 Kinder alleine, weil der Mann unterwegs war – manchmal Wochen oder Monate. Sie hatte Humor und auf den Fotos sieht man sie oft lachen. Sie war weise und klug und ihrem Mann eine sehr gute Ratgeberin. Er holte sich bei ihr Rat und sie half ihm bei den Vorbereitungen der Predigten. Sie war eine Frau wie aus Sprüche 31. Je länger ich die Psalme und Sprüche lese, desto besser verstehe ich, woher sie diese Kraft und Weisheit hat. Sie lasen nicht nur die Psalme und Sprüche. Sie lasen einfach viel in der Bibel. Ihre Enkelkinder sagten, dass im Haus immer eine offene Bibel lag.
Warum jetzt gerade die Psalme? Warum nicht die ganze Bibel oder das Neue Testament? Jemand hat mal gesagt “Gott spricht durch die Bibel zu uns, durch die Psalme lehrt er uns, mit ihm zu sprechen.” Durch die ganze Bibel spricht Gott zu uns – durch Geschichten, durch Gleichnisse und durch die Briefe im Neuen Testament. Die Psalme helfen uns, ehrlich zu Gott zu beten. Die Psalmschreiber drücken durch Gedichte oder Liedformen ihre Gedanken und Gefühle aus. Ich habe gemerkt, wie mir das Lesen der Psalme hilft, ausgeglichener zu werden. Manche Psalme sind fast chaotisch, von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt. Mal die Bitte um Hilfe und im nächsten Moment einige Verse voller Dankbarkeit. Keine geordnete Gedanken und Gefühle. Die Menschen schrieben sich alles vom Herzen und das macht mir Mut, genauso mit Gott zu sprechen. Das zu sagen – egal wie Durcheinander es ist – was in meinem Kopf und Herzen ist. Das Lesen der Psalme lehrt mich, Gott in jeder Lebenssituation anzubeten, ihm um Hilfe und Kraft zu bitten, ihm Lob- und Dankeslieder zu singen und meine Schuld zu bekennen. Ich habe auch gemerkt, dass die Psalme eine gute Zusammenfassung vom alten Testament sind und eine gute Vorschau auf Jesus. Jesus selber hat immer wieder die Psalme zitiert.
Warum Sprüche? Bei den Sprüchen ist keine Ordnung. Eine Lebensweisheit nach der anderen. Manchmal in Form von Bilder, Gleichnisse oder Rätsel. Im Mittelpunkt steht die Wichtigkeit der Weisheit. Sie willl dem Leser Weisheit vermitteln. Immer wieder werden der Weise und der Narr verglichen. Der Mensch ist weise, der sich an Gottes Ordnung hält und seine Wege geht, heißt es in Sprüche. Sie helfen mir, die Menschen um mich herum besser zu verstehen. Und gleichzeitig habe ich gute Anweisungen bekommen, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehen kann und selber ein bißchen weiser werden. 
Jetzt zu der Frau aus Sprüche 31: sie strahlt Kraft und Würde aus, hat keine Angst vor dem nächsten Tag und spricht weise und freundlich. Wenn sie jeden Tag die Psalme und Sprüche lesen würde, wo würde sie die Verse finden, die ihr helfen, diese 3 Eigenschaften zu entwickeln?

Zur ersten Eigenschaft: Wie sie ist: verschiedene Bibelübersetzungen beschreiben sie so: “Kraft und Hoheit sind ihr Gewand/ Kraft und Würde sind ihr Gewand/ Sie ist eine würdevolle und angesehene Frau/ In Kraft und Würde ist sie gekleidet.”
Woher hat sie Kraft und Würde? Psalm 18 beschreibt die Größe und Macht Gottes. Wenn wir uns vorstellen, welche Kraft Gott hat, können wir ahnen, welche Kraft wir in Anspruch nehmen dürfen. Da heißt es so: 7 Doch in meiner Not betete ich zum Herrn und schrie zu meinem Gott um Hilfe. Da erhörte er mich in seinem Heiligtum, mein Schreien drang durch bis an sein Ohr. 8 Da erbebte die Erde und wankte vor seinem Zorn, die Fundamente der Berge bewegten sich und wurden erschüttert. 9 Rauch drang aus seiner Nase und Flammen aus seinem Mund, und glühende Kohlen wurden herausgeworfen. 10 Er tat den Himmel auf und kam herab, dabei war es dunkel unter seinen Füßen. 11 Auf einem mächtigen Engel flog er herbei, er schwebte herab auf den Flügeln des Windes. 12 Er hüllte sich in Dunkelheit und verbarg sein Kommen in schwarzen Wolken. 13 Der Glanz seiner Gegenwart durchbrach die Wolken und es regnete Hagel und glühende Kohlen. 14 Der Herr donnerte im Himmel, der Höchste ließ seine gewaltige Stimme2 erschallen. 15 Er schoss Pfeile ab und zerstreute seine Feinde, er sandte viele Blitze, sodass sie den Mut verloren. 16 Auf deinen Befehl, Herr, auf einen Hauch deines Mundes hin wurde der Meeresgrund sichtbar und die Fundamente der Erde freigelegt. 17 Er streckte seine Hand aus vom Himmel und rettete mich; er zog mich aus tiefem Wasser herauf. 18 Er befreite mich von meinen mächtigen Feinden, von denen, die mich hassten und zu stark für mich waren. 19 Sie fielen über mich her, als ich am schwächsten war, doch der Herr gab mir Halt. 20 Er brachte mich an einen sicheren Ort und rettete mich, weil er Freude an mir hatte.
Der Psalmschreiber schrie um Hilfe und ein mächtiger Gott kam ihm zu Hilfe. Warum? Vers 20: weil er Freude an mir hat.
Diese Kraft dürfen wir in Anspruch nehmen. Ein mächtiger Gott hilft mir, weil er Freue an mir hat. Welche Würde gibt uns das!
Psalm 8, 4-9 beschreibt diese Würde noch ausführlicher: Wenn ich den Himmel betrachte und das Werk deiner Hände sehe - den Mond und die Sterne, die du an ihren Platz gestellt hast -, 5 wie klein und unbedeutend ist da der Mensch und doch denkst du an ihn und sorgst für ihn!3 6 Denn du hast ihn nur wenig geringer als Gott gemacht4 und ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. 7 Du hast ihn über alles gesetzt, was du erschaffen hast, und ihm Vollmacht über alles gegeben - 8 die Schafe und die Rinder und alle wilden Tiere, 9 die Vögel am Himmel, die Fische im Meer und alles, was in den Meeren schwimmt.
Wir sind weniger gering als Gott.
Sprüche 20, 27: “Das Licht des Herrn durchdringt den menschlichen Geist und bringt selbst die geheimsten Gedanken an den Tag.” Wenn wir uns von Gott durchleuchten lassen und ganz ehrlich vor ihm werden, werden wir frei. Und frei sein, bedeutet Kraft haben. Wenn wir unsere Sünden bekennen und Gott sagen, wie es in uns aussieht, bekommen wir uns wahre Würde zurück.

Zweitens: Wenn wir uns der Kraft und Würde bewusst sind, die Gott für uns bereit hat, können wir sorglos in die Zukunf schauen.
Es heisst in Sprüche 31, unbekümmert lacht sie dem nächsten Tag zu oder wie andere Bibelübersetzungen es schreiben: sie lacht des kommenden Tages/ zuversichtlich blickt sie in die Zukunft/ lacht dem nächsten Tag zu/ sie spottet der drohenden Zukunft
Sprüche 3, 21- 26 zeigt, wie wir diese Sorglosigkeit bekommen: “21 Mein Sohn, verliere die Weisheit nie aus den Augen und handle stets umsichtig und besonnen. 22 Dies wird dein Leben erfüllen und dir Ehre und Ansehen schenken. 23 Dann wirst du deinen Weg sicher gehen und deinen Fuß nicht anstoßen. 24 Du kannst dich ohne Angst schlafen legen und dein Schlaf wird erholsam sein. 25 Du brauchst dich nicht vor einem plötzlichen Unglück zu fürchten, auch nicht vor dem Untergang der Gottlosen, der über sie hereinbrechen wird. 26 Denn der Herr ist deine Zuversicht. Er wird nicht zulassen, dass du in eine Falle gerätst.”
Psalm 121: Ich schaue hinauf zu den Bergen - woher wird meine Hilfe kommen? 2 Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. 3 Er wird nicht zulassen, dass du stolperst und fällst; der dich behütet, schläft nicht. 4 Siehe, der Israel behütet, wird nicht müde und schläft nicht. 5 Der Herr selbst behütet dich! Der Herr ist dein schützender Schatten über deiner rechten Hand. 6 Die Sonne wird dir am Tag nichts anhaben noch der Mond bei Nacht. 7 Der Herr behütet dich vor allem Unheil und bewahrt dein Leben. 8 Der Herr behütet dich, wenn du kommst und wenn du wieder gehst, von nun an bis in Ewigkeit.
Wenn wir uns an Gott wenden, wenn wir ihm vertrauen und wenn wir die Weisheit suchen – dann können wir unbekümmert sein. Wir können lachen. Die Voraussetzung ist, sich an Gott zu wenden! Wenn ich jeden Tag diese Aufforderung in den Psalmen und Sprüche lese, wird es mir immer leichter fallen, es auch zu tun. Und jedesmal wird mein Vertrauen belohnt werden, und ich werde noch mehr Vertrauen gewinnen.
Mein Vertrauen auf Gott setzen bedeutet nicht, dass ich dann keine Probleme mehr habe und das alles nur noch gut sein wird. Im Gegenteil. Der Schreiber von Psalm 121 bittet um Hilfe. Er ist in einer Not. Psalm 23 zeigt, welche Höhen und Tiefen unser Leben haben kann: Auch wenn ich durch das dunkle Tal des Todes1 gehe, fürchte ich mich nicht, denn du bist an meiner Seite. Dein Stecken und Stab schützen und trösten mich.
Dunkle Täler gehören zum Leben. Doch wir brauchen uns nicht zu fürchten, denn Gott ist mit uns. Wir brauchen uns auch nicht Sorgen machen, was der nächste Tag bringt oder wie die Welt sich weiterentwickeln wird, denn Psalm 131 macht Mut, sich nicht Gedanken um Dinge zu machen, die wir nicht verstehen: Herr, mein Herz ist nicht stolz und meine Augen schauen nicht auf andere herab. Ich beschäftige mich nicht mit Dingen, die zu groß oder zu wunderbar für mich sind. 2 Ich bin ganz still und geborgen, so wie ein Kind bei seiner Mutter. Ja, wie ein Kind, so ist meine Seele in mir. 3 Israel, hoffe auf den Herrn - von nun an bis in Ewigkeit!
Wie werde ich unbekümmert und kann lachend in den nächsten Tag gehen? Wenn ich nahe bei Gott bleiben, wenn ich ihn um Hilfe rufen, wenn ich an seiner Seite bin und wenn ich still und geborgen bei Gott bin.

Eine dritte Eigenschaft: Wie diese Frau spricht (wieder verschiedene Bibelübersetzungen): Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und freundliche Weisung ist auf ihrer Zunge/ Sie tut ihren Mund auf mit Weisheit, und auf ihrer Zunge ist gütige Weisung/ Sie redet nicht gedankenlos, und ihre Anweisungen gibt sie freundlich/ Was sie sagt, ist gut überlegt, / freundlich gibt sie ihre Weisungen/ Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge.
In Sprüche finden wir viele Verse, die zeigen, wie wichtig es ist, weise zu reden. 
Sprüche 18, 4 Die Worte eines Menschen sind wie tiefe Wasser, lebendig wie ein sprudelnder Bach und wie eine Quelle der Weisheit.
20 Worte sättigen die Seele wie Speise den Magen; das rechte Wort aus dem Mund eines Menschen stillt alle Wünsche.
21 Wer gern redet, muss die Folgen tragen, denn die Zunge kann töten oder Leben spenden.
Sprüche 12, 18: 18 Wer unüberlegt redet, der verletzt andere, die Worte der Weisen aber sind wie Balsam.
Sprüche 15, 23: 23 An einer richtigen Antwort hat jeder Freude; wie gut ist es, zum richtigen Zeitpunkt das Rechte zu sagen!
28 Der Gottesfürchtige denkt, bevor er redet; der Gottlose aber platzt mit kränkenden Worten heraus.
30 Ein freundlicher Blick erfreut das Herz; eine gute Nachricht stärkt die Gesundheit.
33 Die Ehrfurcht vor dem Herrn lehrt die Menschen Weisheit; der Ehre geht Demut voraus.
Sprüche 16, 24: 24 Freundliche Worte sind wie Honig - süß für die Seele und gesund für den Körper.
Sind meine Worte wie eine sprudelnde Quelle, die Leben schenkt? Sind meine Worte wie Balsam? Machen meine Worte gesund? Wenn ich diese Verse lese, merke ich, dass ich noch an meine Worte arbeiten muss um weiser und freundlicher zu reden.
Wie wird man weiser? Wie kann ich meine Worte verändern?
Sprüche 1, gibt die Antwort: 2 Durch die Sprüche soll der Mensch Weisheit und Selbstbeherrschung lernen, um gute Ratschläge verstehen zu können. 3 Sie helfen dabei, Zurechtweisung anzunehmen und sie einsichtig im Leben umzusetzen und zu tun, was gerecht, recht und aufrichtig ist. 4 Die Sprüche machen die Unerfahrenen klüger und schenken dem, der noch jung ist, Erkenntnis und Besonnenheit. 5 Wer weise ist, höre auf diese Sprüche und gewinne noch an Weisheit hinzu; wer klug ist, suche sich weisen Rat, 6 damit er diese Sprüche, Gleichnisse, weisen Worte und Rätsel verstehen kann. 7 Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Nur Narren verachten Weisheit und Selbstbeherrschung.

Ehrfurcht vor dem Herrn, Gott suchen, ehrlich mit ihm reden, ihm alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt, die Weisheit suchen – die Psalme und Sprüche können uns helfen, eine Frau nach Sprüche 31 zu werden: Sie strahlt Kraft und Würde aus, und sie lacht und hat keine Angst vor dem kommenden Tag. Wenn sie spricht, sind ihre Worte weise, und sie erteilt ihre Anweisungen in freundlichem Ton.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Lichtblicke

Graue, trübe Zeiten. Kurze Tage, lange dunkle Nächte. Kühler Wind auf der Haut. Weicher Regen durchnässt die Erde. Die Pflanzen und Bäume, auf der Suche nach der Sonne, lassen Blumen wachsen. 

Die Menschen verkriechen sich in ihren Häusern. Hängen trübe Gedanken nach. Das graue Wetter legt sich auf das Gemüt. Auf der Suche nach der Sonne schauen sie in die dunklen Wolken. 

Warum in die Ferne schauen, wenn das Glück liegt so nah?, fragte Johann Wolfgang von Goethe. Warum in die Wolken schauen, wenn die Blumen blühen leuchtend hell? frage ich. 


Zwei Gefangene sahen durch die Gitter in die Ferne; der eine sah nur Schmutz, der andere die Sterne. Zwei Menschen sahen durch die Fenster nach draussen, der eine sah das trübe Wetter, der andere die Blumenpracht.

Graue, trübe Zeiten. Kurze Tage gefüllt mit den schillernden Farben der Natur; lange dunkle Nächte gefüllt mit warmen Gedanken der Dankbarkeit. 

Dienstag, 17. Juni 2014

Der etwas andere Schwindel

Heute Morgen am Frühstückstisch sprachen wir über Gott und die Menschen, die auf dieser Welt leben. Ich finde die Gedanken der Kinder stets erfrischend und von einer Tiefe, die manch einem Erwachsenen fehlt.

So erzählte unser Fünfjähriger, dass man schwindlig wird, wenn man sich zu lange um sich selbst dreht. Welch eine Wahrheit! Wer sich zu lange und zu intensiv mit sich selbst beschäftigt, verliert das Gleichgewicht - im wahrsten Sinne des Wortes. Wer es schafft, eine gesunde Balance zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe zu halten, erlebt weniger Schwindelgefühle. 

Wie findet man dieses Gleichgewicht? Indem ich mir bewusst bin, wie vergänglich ich bin und das ich im Riesenrad dieses Lebens und dieser Welt nur ein kleines Rädchen bin. Mehr dazu hier: http://sonneschokoladesombrero.blogspot.com/2013/12/nur-ein-kleines-radchen-im-getriebe.html

Und indem ich loslasse. Was loslassen? Mich selber. Wenn ich mich loslasse, höre ich auf auf, mich um mich selbst zu drehen. Es geht nämlich nicht um mich und wie es mir geht und wie ich mich fühle und wie ich es möchte und wie ich es mir wünsche. Es geht einfach nicht um mich - wie es hier beschrieben ist: http://sonneschokoladesombrero.blogspot.com/2013/12/es-geht-nicht-um-mich_24.html

Die bekannten Worte aus der Bibel  lauten: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Den Nächsten wie sich selbst lieben. Nicht mich erst lieben und dann den Nächsten. Auch nicht den Nächsten mehr lieben als sich selber. Wer hier eine Seite mehr betont, gerät schon in Gefahr Schwindel zu erleben - weil man sich entweder zu sehr um  den Nächsten dreht oder zu sehr um sich selbst. 

Wer sich zu lange um sich selbst dreht, dem wird schwindlig, die Erkenntnis eines Fünfjährigen am Frühstückstisch.

Samstag, 14. Juni 2014

Zufriedenheit

 Im Chaco regnet es. Seit Wochen. Ein echter Chaqueño liebt den Regen. Doch bei so viel Regen sinkt die Begeisterung über das Wetter. Überschwemmungen im Land, Kälte und schlechte Wege, die das Fahren fast unmöglich machen, sind Hauptthemen in den Nachrichten und Gesprächen. Wenn die Sonne sich einige Tage nicht zeigt, wächst die Unzufriedenheit. Der Chaco ist halt bekannt für Sonne, Hitze und Trockenheit. Doch bei zuviel Hitze und zu langen Trockenzeiten klagen wir auch. Wo bleibt nur der Regen?

Gestern abend las ich die Geschichte einer Missionarin, die 52 Jahre lang unter den primitivsten Bedingungen in Afrika gelebt hatte. Kein Komfort und Temperaturen über 49 Grad Celsius gehörten zum Leben. Ihre Tochter fand später einen Tagebucheintrag, der zeigte, wie diese Missionarin mit ihrer Situation klar gekommen war. Sie hatte für sich folgende Punkte aufgeschrieben:

"Erlaube dir niemals, über etwas zu klagen, auch nicht über das Wetter.

Male dir niemals aus, wie es wäre, unter anderen Umständen oder an einem anderen Ort zu leben.


Vergleiche dein Los niemals mit dem eines anderen.

Gestatte dir niemals den Wunsch, dass dies oder das anders wäre.

Grüble niemals über das Morgen nach, sondern denke daran, dass es nicht uns, sondern Gott gehört." 
(Aus: "In deiner Hand geborgen"  Gott neu vertrauen lernen  von Linda Dillow, Gerth Medien)

Herausfordernde Worte, nicht wahr? Wenn ich Punkt Eins schaffe - wenigstens teilweise - habe ich schon einen grossen Schritt in Richtung "Zufriedenheit" gemacht. Ich wünsche uns, dass wir im Hier und Jetzt leben könnten, mit dankbarem Herzen und ohne Sorgen auf das Morgen.

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein Rückblick mit einem DANKESCHÖN

Im August letzten Jahres startete ich diesen Blog. Wenn ich einen Gedanken hatte, der mich tief und lange bewegte, schrieb ich ihn auf und stellte ihn hier rein. Es gab Wochen und Monate da fehlte mir die Zeit zum schreiben oder es kamen keine inspirierende Ideen. Es gab Momente, da hätte ich jede Woche ein oder zwei Artikel schreiben können. 
Die Herausforderung war und ist meine Gedanken einer grossen Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich weiss nicht, wer meinen Blog liest. Ich kenne nur einige Leser, weil sie entweder mein Mann oder meine Eltern sind :-) Andere Leser lerne ich kennen, wenn sie mir schreiben oder mich persönlich ansprechen. Deshalb heute ein dickes DANKE an die vielen Mutzusprüchen, die ich in dieser Zeit bekommen habe. DANKE!!!!!! 
Warum dieser Rückblick? Weil ich 30 Einträge geschrieben habe. Mit diesem schon der 31. Eintrag. Der beliebteste Artikel, d.h. der Artikel der das meiste gelesen wurde, ist:

1. Ich sage jedesmal NEIN
Auf Platz Zwei kommt: Das Leben bunt malen
Platz Drei: Ein Leben ohne schlechtes Gewissen
Platz Vier: Hier blogge ich
5. Facebook - meine Erfahrungen und Gedanken
6. Frei sein dank der Tränen in meinen Augen
7. Warum ich schwierige Menschen mag
8. Auf Wechsel gefasst sein
9. Mich motivieren lassen
10. Nachdenken verboten!

Vielen, lieben Dank für eure Unterstützung!!!! Auf die nächsten 30 Artikel, die bald kommen!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Ein Leben ohne schlechtes Gewissen

Diese Woche stellte ich mir vor, gewisse Wörter hätten keine Bedeutung. Noch besser: sie wären nie erfunden worden. Keiner würde sie sagen, geschweige denn kennen. Niemand würde je etwas von Ozonloch, Erderwärmung, Biogemüse, Aspartam, Cholesterin, Kalorien, 90-60-90, Typ-Stil-Farbberatung, Selbstverwirklichung oder Stress gehört haben.
Was können wir noch essen oder anziehen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Kaufe ich mein Gemüse im Supermarkt muss ich in Kauf nehmen, dass die Tomaten zu viel Gift und die Gurken falsch gelagert sind und keine Nährstoffe mehr enthalten. Also kaufe ich konservierte Lebensmittel und gehe das Risiko ein, meinen Körper mit Aspartam (ein synthetisch hergestellter Süßstoff) zu schädigen. Ziehe ich mich nach der neuesten Mode an, lass ich mich von der Mode diktieren und habe keinen eigenen Stil. Ziehe ich an was mir gefällt, sind meine Problemenzonen zu sehen und ich gebe meinem Gegenüber einen falschen Eindruck von mir. Bin ich zuhause und kümmere mich um Familie und Haushalt, vernachlässige ich meine Gaben und Fähigkeiten. Verwirkliche ich mich selbst und versuche Familie, Haushalt und Beruf unter einem Hut zu kriegen, erlebe ich früher oder später Stress oder die nächste Stufe: ein Burnout (was “ausgebrannt sein” bedeutet).
Was ich auch tue, irgendetwas mache ich jedesmal falsch. Meine Frisur und Haarschnitt soll anscheinend 70% meiner Erscheinung ausmachen. Meine Hände sind meine Visitenkarte und meine Worte machen nur 10% von dem aus, was ich zu sagen habe. Ach ja, die Schuhe habe ich vergessen. Sie haben auch noch etwas wichtiges über mich als Person zu sagen. Was es ist, habe ich leider vergessen. Meine Hüften muss ich mit der Hilfe von dunklen Hosen und passend geschnittene Röcke verstecken und mein langer schlanker Oberkörper wird mit einer speziellen Bluse in Szene gesetzt, damit mein Gegenüber sich auf meine vorteilhaften Körperteile konzentrieren kann.
Was tun mit den vielen Botschaften die wir tagtäglich hören, lesen oder sehen und die uns anscheinend schöner, gesunder und glücklicher machen sollen? Bei mir verursachen sie nur ein schlechtes Gewissen. Ständig übertrete ich eine Ernährungs-, Schönheits- oder Umweltregel. Jemand wird es jedesmal besser wissen als ich und mich darauf aufmerksam, dass ich die falsche Entscheidung getroffen habe. So sitze ich da, wieder mit einem schlechten Gewissen. Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass ich das Spiel mitspiele. Ich nehme mir die Freiheit andere für ihre Entscheidungen zu kritisieren und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. So bin ich nicht alleine mit meinem plagenden Gewissen.
Wenn diese Wörter, die ich oben erwähnte, keine Bedeutung hätte. Wenn es sie nicht mal gäbe, wie würde mein Leben dann aussehen? Was würde sich ändern? Wie würde ich denken und fühlen? Wie würde ich meinen Gegenüber sehen und behandeln? Ich bin dabei eine Antwort für mich zu finden. In der Zwischenzeit esse ich Gelatine (die Aspartam enthält), mache mir einen Salat mit Tomaten aus dem Super und grille mir Fleisch unter dem freien Himmel in einem Outfit das weder der Modewelt noch meinem persönlichen Stil entspricht.

Donnerstag, 3. April 2014

Den Blickwinkel verändern

“Ich sehe, was du nicht siehst, und das ist ...” spielten wir als Kinder. Der “Sehende” beschrieb den Gegenstand mit einem Wort und die übrigen Spieler – die “Nichtsehenden” mussten diesen Gegenstand suchen. So wurde die ganze Umgebung nach diesem Wort (z.B. rund oder gelb) abgesucht. Wer den Gegenstand gefunden hatte, war der Gewinner und damit der nächste “Sehende” der die “Nichtsehenden” auf ein weiteres Objekt aufmerksam machen durfte.

Im Alltag erlebe ich immer wieder, dass ich eine Nichtsehende bin. Ich sehe das ganze Bild, den ganzen Tag, die ganze Arbeit, die ganze Verantwortung oder die ganze Last einer Sorge. Obwohl ich sehe, sehe ich die Details nicht. Ein sehenedes Nichtsehen. Die Einzelheiten sind ausgeblendet. Wie bei einem etwas verwilderten Garten. Das ganze Bild sieht unordentlich aus, der Garten ist ungepflegt und riecht nach Arbeit und Muskelkraft.


Heute Morgen, als mein Mann und meine Tochter das Haus verliessen, winkten sie mir fröhlich zu und im selben Moment stand der kleine Hund neben mir. Mit ihrem kleinen, zerbissenen Ball im Maul und bettelte mit ihren Augen, dass ich mit ihr spielte. Ich warf den Ball weg und sie lief begeistert hinter her. Ein Moment vollkommener Freude und Liebe erfüllte mich. Plötzlich sah ich. Ich sah für einen Moment die Liebe, die das Leben für mich bereithält. An den meisten Morgen sehe ich die Arbeit und die Verpflichtungen, die auf mich warten. Ich sehe den langen, manchmal anstrengenden Tag und die vielen Aufgaben, die zu erfüllen sind. Wie das Bild von dem etwas verwahrloste Garten. Heute sah ich die Liebe.


Wenn ich in die Knie gehe und mir den Garten genauer anschaue (ganz im Sinne des Spiels “Ich sehe, was du nicht siehst...”) bemerke ich die Schönheit der Natur. Blumen in allen Größen, Formen und Farben. Winzige Ameisen, die emsig arbeiten. Laub und wunderschöne Knospen.

Um diese Schönheit zu sehen, muss ich in die Knie gehen. Ich muss meine aufrechte Position beugen. Mich bücken und genau hinschauen.

An Tagen, an denen ich vor Gott in die Knie gehe, sehe ich besser. Wenn ich meine aufrechte Position verlasse und mich vor ihm, dem allmächtigen Gott, beuge, bemerke ich die Schönheit in meinem Alltag. Ich sehe die Liebe, die er für mich bereithält. Auch wenn es nur das Abschiedswinken meiner Familie oder das freundliche Schwanzwedeln eines kleinen Hundes ist, der mit mir spielen möchte. Ich erlebe die Freude des Lebens bewusster und tiefer. Mir wird klar, wie groß die Gnade Gottes ist, wenn ich wieder mal versagt habe und trotzdem eine neue Chance bekomme.


Gebeugte Knie geben mir eine bessere Sicht auf die Einzelheiten in meinem Alltag und in meinem Leben.

Ich sehe, was siehst du heute?

Dienstag, 11. März 2014

Wenn die Motivation fehlt

Heute erhielt ich endlich ein langersehntes Buch. Es ist ein Handbuch zum Thema “Schreiben.” Auf 350 Seiten werden Techniken, Beispiele und Übungen präsentiert. Während ich begeistert durch das Buch blätterte, merkte ich, wie ich die Motivation zum Schreiben vermisst hatte. Sie war weg. Einfach irgendwo im Alltag zwischen den Abwasch und den Hausaufgaben der Kinder verschwunden. Kein Thema bewegte mich so stark, dass ich darüber schreiben wollte. Tage und Wochen vergingen und die Motivation blieb aus.
Jetzt, als ich dieses Buch in den Händen hielt, war sie wieder da. Plötzlich. Einfach nur so. Und ich merkte, dass ich mir nicht die Zeit genommen hatte, mich motivieren zu lassen. Wenn meine Kochkünste nachlassen, schaue ich mir Kochshows an, um mich neu begeistern zu lassen oder ich blättere in Rezeptbücher. Noch besser: ich kaufe mir ein neues Rezeptbuch und probiere neue Gerichte aus. Wenn mein Sinn für Ordnung und Schönheit mich verlässt, blättere ich durch Wohnmagizine, lese Blogs zum Thema oder klicke mich durch die vielen Bilder bei Pinterest.
Wenn die Begeisterung für eine Arbeit oder ein Thema schwächer wird, suche ich mir Möglichkeiten, sie neu zu entfachen. Nur hatte ich es diese Runde vergessen. Einfach nicht daran gedacht, mich selber einen Stoß in die richtige Richtung zu geben. Stattdessen erwartete ich, dass die Motivation von selber kommen würde. Ich hoffte, eines Morgens mit einem bestimmten Thema im Kopf aufzuwachen und loszuschreiben. Der Morgen kam nicht. Doch als ich das neue Buch in der Hand hielt, war sie wieder da. Eine Inspiration an Ideen und Gedanken überrollten mich und ich setzte mich hin und schrieb. Ein Blick ins Buch und meine Begeisterung zum Schreiben war wieder da.
Mein Fünfjähriger kennt mich wohl besser als ich, denn heute sagte er, er würde mir ein “Lesebuch” zum Geburtstag schenken – ein ganz dickes. Er hat mich gut beobachtet. Ein gutes Buch mit guten Gedanken und schon bin ich hin und weg. Neue Bücher, neue Ideen, neue Gedanken, neue Bilder bewegen mich, treiben mich an und helfen mir, mehr aus meinem Alltag zu machen. Dank eines Buches über Schreiben hatte sich meine verloren gegangene Motivation wieder gefunden.
Was motiviert dich? Was treibt dich an? Was begeistert dich? Wie findest du neue Motivation im Alltag?

Samstag, 18. Januar 2014

Warum ich schwierige Menschen mag

Es gibt sie überall – diese sogenannten - “schwierigen Persönlichkeiten.” In der Familie, in der Verwandschaft, unter den Freunden, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde, im Verkehr, im Supermarkt und sogar im Facebook. Gehen wir diese Person aus dem Weg, treffen wir garantiert um die Ecke eine andere. Sie sind da und sie sind Teil dieser Welt – genauso wie ich.
Nach vielen Begegnungen und manch schmerzhaften Erfahrungen lerne ich sie langsam zu schätzen und zu mögen. Ich mag nicht so sehr ihre schwierige Persönlichkeit, sondern was die vielen Erlebnisse mit ihnen mich gelehrt haben und wie sie mich geformt haben.
Gestern abend las ich einen Artikel über den Umgang mit unseren komplizierten Zeitgenossen. Die  Ausführungen war das fehlende Puzzlestück in meinen Überlegungen über meine Erfahrungen mit kräftezehrende Menschen. Er ermutigte mich zur Ehrlichkeit: Ja, es gibt schwierige Menschen! Ja, sie haben mir wehgetan und manche Wunden sind noch nicht vollständig geheilt. Diese Ehrlichkeit soll keine Verurteilung sein, sondern soll mir helfen, die Tatsache ins Auge zu schauen und ehrlich vor mir selbst zu werden. Und das ist einer Gründe, warum ich komplizierte Personen anfange zu mögen.

Grund Nummer Eins: sie zwingen mich zur Ehrlichkeit. Solange ich versuche es ihnen alles Recht zu machen, werde ich weiter verletzt und plage mich mit ihnen, statt sie stehen zu lassen und so sein zu lassen, wie sie sind. Ich brauche es nicht der ganzen Welt erzählen, welche Familienmitglieder oder Freunde eine schwierige Persönlichkeit haben. Ehrlichkeit beginnt bei mir im Herzen. Durch diese Ehrlichkeit werde ich ein Stückchen freier und ich nehme ihr Verhalten nicht mehr so persönlich. Das ist doch ein guter Grund, eine schwierige Person zu mögen, nicht wahr? Wer will nicht ehrlicher und freier leben?!

Grund Nummer Zwei: sie helfen mir Grenzen zu setzen. Wie oft können wir nicht NEIN sagen oder lassen zu, dass unsere persönlichen Grenzen überschritten werden. Wenn ich anfange ehrlich zu werden und meinen komplizierten Nächsten so sehen wie er ist, kann ich besser Grenzen setzen. Ich höre auf, alles zu tun, damit diese Person sich “besser benimmt” oder es leichter hat. Wie der Artikel es hinstellte, will eine schwierige Persönlichkeit sich nicht ändern. Warum auch? Alles richtet sich nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Wenn ich das erkannt habe, kann ich endlich eine Grenze ziehen und ihr die Verantwortung für ihr Verhalten zurückgeben. Ich kann NEIN sagen und mir das Drama ersparen. Grenzen setzen ist gesund und hilft mir, auf mein eigenes Leben zu schauen. Wenn ich es schaffe, mich abzugrenzen und mein eigenes Leben zu leben, statt das des komplizierten Nächsten, kann ich doch nur dankbar dafür werden.

Grund Nummer Drei: sie setzen mir einen Spiegel vor. Es gibt Tage, da benehme ich mich unmöglich. Ich bin launisch und gereizt und möchte, dass alles nach meiner Nase tanzt. Wenn ich dann so richtig in Schwung bin und das Universum herumkommandiere, fällt mir die letzte schmerzhafte Begegnung mit einer Person ein, die sich genauso benahm. Diese Erinnerung kann ziemlich ernüchternd sein. Mir wird bewusst, wie daneben und unangenehm ihr Verhalten war und das ich in dieselben Fussstapfen getreten bin. Im Nachhinein bin ich nur dankbar dass es komplizierte Menschen gibt, die mir einen Spiegel vorhalten und mir dadurch helfen, mich wieder in den Griff zu kriegen.

Grund Nummer Vier: schwierige Persönlichkeiten zeigen mir die Liebe und die Gnade Gottes auf eine ganz besondere Weise. Gott hat jeden Menschen geschaffen. Jeden! Er wusste, dass manche ständig mit ihren Verhalten anecken und andere dadurch verletzen würden. Er hat sie trotzdem gemacht. Er hat sie auch lieb und schenkt ihnen diesselbe Gnade wie mir. Es zeigt mir, dass ich nicht besser bin als sie. Ich bin vielleicht (das sei dahingestellt) unkomplizierter und pflegeleichter. Aber ich bin nicht besser. Nicht frommer und nicht gescheiter. Mein komplizierter Nächste und ich bekommen dieselbe Liebe und Gnade. Deshalb lerne ich durch diese Menschen Gott ganz besonders kennen. Ein guter Grund, sie zu mögen, nicht wahr?

Es gibt noch viele andere Gründe: sie lehren mich zu vergeben, wie Gott mir vergibt. Sie helfen mir, mit Widrigkeiten im Leben umzugehen. Sie zeigen mir, dass es sich lohnt, mich und meine Gefühle im Griff zu haben. Nur um einige zu nennen.
Schwierige Menschen werden um uns sein, bis wir diese Erde für immer verlassen. Wir können sie mögen und die Vorteile bewusst suchen, die ihr Verhalten in meinem Leben bewirkt. Manchmal werden wir intensiv suchen müssen. Oder wir können sie hassen (ein starkes Wort) und uns an ihrem Verhalten stören. Damit tun wir nur keinem etwas Gutes – nicht ihnen (denn sie ändern sich wahrscheinlich nicht) und mir auch nicht. Denn dadurch binde ich mich an sie, statt frei zu werden und mein eigenes Leben zu leben. Ich habe beschlossen, sie zu mögen und mich durch die manchmal schmerzhaften Erfahrungen, formen zu lassen.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Einfach nur bitten

Ich habe es schon oft gelesen. Ich verstehe es auch. Ich glaube auch, dass es wahr ist. Ich wende es nur nicht an. Heute morgen las ich es wieder. Ich schrieb es auf und plötzlich überwältigte mich der Gedanke. So klar und so einfach. Ich brauchte es nur anwenden.
Wer kennt das nicht? Da lese ich jahrelang einen Bibelvers und plötzlich erkenne ich die volle Bedeutung des Verses. Dabei kenne ich ihn. Habe ihn schon oft gehört, nur nicht angewandt. 

Folgende Verse haben es mir heute Morgen angetan.
Matthäus 21, 22: “Wenn ihr glaubt, werdet ihr alles bekommen, worum im Gebet bittet.”
Johannes 14, 13 – 14: “Ihr dürft in meinem Namen um alles bitten, und ich werde eure Bitten erfüllen, weil durch den Sohn der Vater verherrlicht wird. Bittet, um was ihr wollt, in meinem Namen, und ich werde es tun!”
Matthäus 7, 7-8: “Bittet, und  ihr werdet erhalten. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und die Tür wird euch geöffnet werden. Denn wer bittet, wird erhalten. Wer sucht, wird finden. Und die Tür wird jedem geöffnet, der anklopf.”

Gebet: Jesus, ich muss zugeben, dass ich nicht oft genug bitte. Statt dich um etwas zu bitten, versuche ich es selber oder fange nicht mal an. Es ist mir neu bewusst geworden, dass ich dich um alles, einfach ALLES bitten darf. Und mir fallen gleich 1000 Dinge ein, um die ich dich bitten will. 
Vergibt mir, dass ich dich bis jetzt um so wenig gebeten habe. 
Bitte hilf mir, meine Bitten – die heute zahlreich sein werden – von meinen egoistischen Wünschen zu trennen. Lass meine Bitten durch dich Gott verherrlichen. 
Danke, dass ich dich um ALLES bitten darf. 
Und ich bitte dich jetzt um...