Samstag, 21. Februar 2015

Lesetagebuch

Schulanfang. Beide Kinder sind am Vormittag im Unterricht. Für mich eine neue Erfahrung. Ungewohntes Wetter. Wir haben Regenwetter statt 40º Celsius. Und irgendwie fehlte mir in den letzten Tagen und Wochen die Konzentration zum Lesen und Schreiben.
Gelesen habe ich hier und da etwas. Dabei sind mir vier Gedanken sitzengeblieben und haben mich zum Nachdenken angeregt.

“Das Leben kann auf wunderbare Weise rau sein. Tun Sie alles, um diese Rauheit nicht zu verpassen. Hören Sie nicht auf die Klage derer, die sich mit einem Leben zweiter Klasse begnügen und von Ihnen verlangen, dasselbe zu tun, damit sie sich nicht schuldig fühlen müssen. Wir streben nicht ein langes Leben an, sondern das wahre Leben.” (Max Lucado in Gnade für den Augenblick. Andachten für jeden Tag des Jahres)

“Es fällt mir viel leichter, für meinen Mann, meine Kinder, Angehörige, Freunde, Bekannte und Menschen, von denen ich in den Nachrichten gehört habe, zu beten als für meine eigene Bedürfnisse.” (Stormie Omartian. Mein Gebet macht mich stark.)
Bei diesem Satz fühlte ich mich ertappt. Ich bete zu wenig für einen stärkeren Glauben, für mehr Vertrauen, für tieferes Bibelwissen oder um Freude in der Gegenwart Gottes zu erleben.

“Irgendwann auf all diesen Kilometern von Gleisen, auf denen wir im Zickzack durch Europa fuhren, wurde mir klar, dass zwei Arten gab, Geld auszugeben: Wir konnten es so ausgeben, dass die Welt es sah, oder wir konnten es so ausgeben, dass wir die Welt sahen. Die zweite Art erwies sich als die bessere.” (Susan Pohlman. Unser italienisches Jahr. Eine Familie steigt aus – und findet wieder zueinander.)

In einem Fitnessprogramm fiel der Satz: Our body is designed for motion – not stay at one place and sit around the whole day. (Unser Körper ist dazu geschaffen sich zu bewegen  - nicht um auf einen Platz zu bleiben und den ganzen Tag zu sitzen.)

Die Rauheit des Lebens suchen und erleben, für die eigenen Bedürfnisse beten, zu überlegen, wie man das Geld ausgeben will und sich bewegen – ich wünsche dir ein tolles Wochenende!!!!

Freitag, 13. Februar 2015

Lebe deinen Traum

Jeder Mensch hat einen oder mehrere Träume. Es sind materielle Dinge, Ereignisse und Momente die wir uns wünschen und auf die wir hoffen. Manche Träume erfüllen sich fast von selbst, andere brauchen eine Menge Arbeit, um sie verwirklichen. 
Ein kleiner Traum von mir ist, einen Garten zu haben, von dem ich meine Familie ernähren kann. Wo alles wächst, was ich für den täglichen Verzehr brauche. Das ist im Vergleich zu meinen anderen Träumen (z.B. eine Weltreise machen) nur ein kleiner Traum.
Doch um diesen Traum von einem Gemüsegarten zu verwirklichen, brauche ich einen Plan. Eine Strategie, die mir hilft, den Traum zu erfüllen. Von selber geschieht nichts. Bei kaum einen unserer Träume. Keiner drückt uns einen Ferrarischlüssel in die Hand. Keiner schenkt uns ein Ticket für eine Russlandreise oder überschreibt uns ein neues Haus. Es ist manchmal Knochenarbeit, um den Traum Schritt für Schritt wahr werden zu lassen. 
Träume können wahr werden und es sind viele Bücher geschrieben worden, die uns dabei helfen können. (Vorausgesetzt wir lesen die Bücher). Ich habe die vielen Ideen und Theorien auf einige einfache Schritte reduziert. Vielleicht helfen sie dir, deine Träume in Angriff zu nehmen und Realität werden zu lassen.

Der erste Schritt: schreibe deinen Traum auf. Wovon träumst du? Was wünschst du dir? Was willst du erreichen? Was ist dein Ziel? Schreibe es auf. Praktisch:  Mein Traum: einen Gemüsegarten haben

Der zweite Schritt: Bestandsaufnahme des schon Vorhandenen. In anderen Worten, schaue, was du schon hast oder wo du schon bist. Duden definiert das Wort Bestandsaufnahme als das “Zählen und listenmäßiges Erfassen vorhandener Bestände”. Praktisch: mein Gemüsegarten-Traum liegt näher als ich denke, denn ich habe Paprika, Radieschen, Sauerampfer, Chirimoya, Schnittlauch, rote Pfefferschoten und saure Apfelsinen. Und ganz viele kleine Gemüsepflänzchen, die in einigen Wochen verpflanzt werden können. Ausserdem habe ich genug Platz um zu pflanzen, ich habe viel Gemüsesaat, genügend Wasser und gute Bücher plus tolle Internetseiten, die mir nützliche Tipps und Infos geben.

Der dritte Schritt: Fehlendes ergänzen. Der dritte Punkt ist wohl der längste Schritt. Wer von einem eigenen Auto träumt, hat vielleicht schon ein kleines Guthaben und eine Garage. Doch um das “Fehlende zu ergänzen” braucht es noch einige Monate oder Jahre des Sparens. Meines Erachtens scheitern hier viele Träume. Beim Durchhalten. Beim Warten bis das Fehlende ergänzt ist. Die meisten Träume sind realisierbar – wenn wir durchhalten. Es braucht eine Menge Disziplin und Motivation. Deshalb ist mir der zweite Schritt so wichtig. Das wir schauen, was schon da ist. Das gibt die nötige Motivation und Disziplin für Schritt Drei. Praktisch: die nächsten Wochen und Monate werden gefüllt sein mit aussäen, verpflanzen, giessen und und und. Sprich: Gartenarbeit pur

Damit der dritte Schritt erfolgreich ergänzt wird, ist ein vierter Punkt wichtig: gehe weise mit Kritik um. Wir sind unsere grössten Kritiker! “Das schaffe ich doch nie!” “Das wird immer nur ein Traum bleiben.” “Wer bin ich schon, dass gerade dieser Traum wahr werden wird?!” Solche und ähnliche Sätze gehen durch den Kopf, wenn wir uns an die Traum-Arbeit machen. Es gibt auch Menschen, die die Gabe haben, jeden Traum einen Dämpfer zu verpassen. “Viel zu teuer!” oder “Das kostet zuviel Zeit, Geld, Kraft, Arbeit usw.” “Das kann nicht gelingen.” Diese Sätzen werden oft gerade von den Menschen ausgesprochen, von denen wir Ermutigung statt Entmutigung erwarten. Von den Menschen, die uns am nähesten sind. Sie werden nicht gesagt, um uns zu entmutigen, sondern sie wollen uns vor Enttäuschung und Versagen bewahren. Ich bin selber schuldig, solche und ähnliche Sätze ausgesprochen zu haben. Aus lauter Liebe. Und bewirken tun sie genau das Gegenteil. Deshalb ist hier Weisheit gefragt. Weisheit, um mit dem eigenen Kritiker in mir fertig zu werden und Selbstzweifel zu überwinden. Und Weisheit, um mit kritische und entmutigende Kommentare umzugehen.

Ein fünfter und letzter Schritt: sich den Traum immer wieder vor Augen halten. Träume. Phantasiere. Mal dir aus, wie es sein wird, wenn dein Traum wahr sein wird. Stell dir vor, du wohnst in deinem neuen Haus. Male dir aus, wie es sein wird, eine Weltreise zu machen. Praktisch: mein Gemüsegarten-Traum habe ich in Pinterest in Bilder festgehalten. Wenn ich mutlos werde oder die Sonne unbarmherzig auf die Erde brennt, klicke ich meine Seite an und träume von meinem zukünftigen Gemüsegarten.

Ein Traum kann in fünf Schritte wahr werden: schreibe deinen Traum auf. Mache eine Bestandsaufnahme. Ergänze das Fehlende. Gehe weise mit den Kritikern um. Träume deinen Traum. 
Wer eine längere Erklärung und noch zusätzliche Schritte braucht, kaufe sich ein Buch zum Thema oder surfe im Internet für praktische Tipps. Alles, was hilft, den Traum zu verwirklichen. Damit ein Traum nicht nur ein Traum bleibt. Das ist das Wichtigste: dass wir unser Bestes geben, um unsere Träume wahr werden zu lassen. Lebe deinen Traum!

Dienstag, 10. Februar 2015

Finde deinen Weg


Mein liebes Kind,


lange habe ich überlegt, wie ich dir helfen kann, deinen Beruf und dein Leben zu meistern. Dein Beruf stresst dich und wir haben wiederholt darüber gesprochen. Je länger ich über dich nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich dir nicht helfen kann. Klar, ich kann dir paar kluge Ratschläge und praktische Tipps geben. Ich kann dir Bücher geben, die du lesen kannst –falls du Zeit hast. Doch eine wirkliche Hilfe können alle Gespräche, Ratschläge und Bücher nicht sein.
Irgendwie frustrierend, nicht wahr? Keiner kann dir helfen. Auch den Beruf wechseln würde nur vorübergehend eine Lösung sein. Du könntest umziehen und auch das wäre keine wirkliche Hilfe. Es gibt keine Hilfe.
Doch es gibt einen Weg, den du gehen kannst. Einen ganz besonderen Weg. Deinen eigenen! Und das ist mein Wunsch für dich. Das du deinen eigenen Weg findest und gehst. So manches in unserem Leben tun wir anderen zum Gefallen. Manche lernen Musikinstrumente, weil die Eltern es sich wünschen. Andere wählen ein Studium, dass den Erwartungen der Eltern entspricht. Andere heiraten jemanden, der gut zu der Familie oder zu den Freunden passt. 
Wir wollen gefallen, Erwartungen erfüllen und uns anpassen. Dabei verlieren wir unseren eigenen Weg aus den Augen. Wir – jede einzelne Person – kommt mit einem ganz bestimmten Plan auf diese Welt. Dieser Plan steht oft nicht im Einklang mit den Wünschen und Erwartungen der Eltern oder der Gesellschaft. Wenn ich an meine eigenen Kinder denke, habe ich viele gute Wünsche für sie. Gleichzeitig weiss ich, dass Gott einen einzigartigen Plan mit ihnen hat, der mir vielleicht nicht immer gefallen wird. Ich will meine Kinder so gerne vor Enttäuschungen, Schmerz und Versagen schützen und deshalb möchte ich sie am liebsten überbeschützen. Doch das ist nicht der Plan für ihr Leben. Genauso wie ich Enttäuschungen und Schmerz überlebt habe und meinen eigenen Weg gefunden habe – trotz und dank meiner Eltern – so werden meine Kinder es auch.
Das, mein liebes Kind, ist dein Weg. Dich von den Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche um dich herum zu lösen und deinen eigenen Weg zu finden. Ich habe dich im Strassenverkehr beobachtet. Du richtest dich beim Fahren nach dem Auto vor dir. Fährt es schnell, fährst du auch schnell. Bremst es, musst du auch bremsen. Fährt es langsam, fährst du auch langsam. Finde deinen eigenen Stil. Fahre dein Tempo. Egal wie die Autos um dich herum fahren. Richte dich nach den Verkehrsordnungen, aber nicht nach den Autos.
Finde deinen eigenen Weg beim Unterrichten. Du liebst die Musik. Und die Musik hat ihren eigenen Stil. Mal ist sie laut, mal leise. Mal schnell, mal langsam. Mal dieses, mal jenes. Sie hat ihre eigene Geschwindigkeit, ihre eigene Melodie, ihre eigenen Töne. Sie passt sich keinem an. Wer ein Musikstück spielen will, muss sich nach den Noten richten. Nicht das Musikstück passt sich an, sondern der Musiker. Es wäre toll, wenn du das auf deinen Unterricht übertragen könntest. Stell dir einfach vor, du wärst ein ganz besonderes, einzigartiges Lied. Wer dich hören will, muss die Noten so spielen, wie du sie vorgibst. Nicht du richtest dich nach den Schülern, sondern die Schüler und deren Eltern richten sich nach dir. Du bist das Lied, das gespielt wird. Und das Tolle an der Sache ist: wenn die Schüler lernen, sich nach deiner Melodie zu richten, werden sie ihre eigene Melodie finden.
Finde deinen Stil. Geh deinen Weg. Fahre dein Tempo. Spiele deine Musik. Befreie dich von den Vorstellungen und Erwartungen der anderen und lebe den einzigartigen Plan aus, den Gott für dich bereithält.
Erinnerst du dich noch an das Stil-Buch, dass wir im Kreativitätskursus machten? Jede suchte sich ihren Stil. Klebte Bilder und Texte hinein, die ihr gefielen. Keine sagte der anderen, was schön war oder was sie in ihr Stil-Buch kleben sollte. Dein Leben ist dein eigenes Stil-Buch. Finde heraus was du magst, was dir gefällt und was du nicht magst und was dir nicht gefällt. Horch in dich hinein, um deine eigene Melodie zu finden. Und wenn du sie gefunden hast, spiele sie so laut und so oft, dass jeder in deiner Umgebung sie hört und kennt.
Ich freue mich schon auf die nächste Autofahrt mit dir! Sei fest umarmt, mein liebes Kind. 

Sonntag, 8. Februar 2015

Lesetagebuch

Ich lese gerne und ich schreibe gerne. Beides kombiniert ergibt ein Lesetagebuch. Hier schreibe ich Sätze und Gedanken auf, die ich gelesen habe und nicht gleich wieder vergessen will. Statt das Geschriebene zurück ins Regal zu stellen und verstauben zu lassen, stelle ich es in meinem Blog. Vielleicht profitiert die eine oder der andere davon.

Was ich diese Woche gelesen habe:

“Gott steht nicht hilflos vor dem Bösen in der Welt. Ihm steht nicht der Mund offen vor der Tiefe unseres Glaubens oder der Tiefe unseres Versagens. Wir können ihn nicht überraschen mit unseren Grausamkeiten. Er weiβ, wie es um die Welt steht… und liebt uns denoch.”
Max Lucado in “Staunen über den Erlöser” Seite 144

“Nothing will ever be handed to us on a platter with a card that says, you deserve this.” (Nichts wird uns jemals auf einer Servierplatte gereicht mit einer Karte die sagt, du hast es dir verdient.)
Rhonda Hetzel in http://down---to---earth.blogspot.com/2015/02/house-work.html 
Ein mutmachender Artikel über die Wichtigkeit der Hausarbeit.

Beim Lesen der Psalme lernte ich etwas Neues:
Psalm 21, 7: “Du machst ihn für alle Zeiten zum Segen für andere und erfüllst ihn durch deine Gegenwart mit Freude.” 
Ich stockte und überlegte, ob ich schon mal darum gebeten hatte, ein Segen für andere zu sein. Ich bitte Gott, andere zu segnen, meine Familie zu segnen oder mich zu segnen. Aber Gott bitten, dass ich ein Segen für andere bin? Wenn ich das bete, ändert sich auch so einiges in meinem Verhalten, nicht wahr?
Und der zweite Gedanke: Freude in der Gegenwart Gottes erleben. Bibellesen und beten ist langweilig? Warum Gott nicht um Freude in seiner Gegenwart bitten? “Gott erfülle mich mit deiner Freude, wenn ich deine Nähe suche.”

Zum Schuss ein lustiger Ausspruch, den ich auf Pinterest fand:
“Warum sollte man drei Minuten telefonieren, wenn man eine Sache auch in acht Stunden per WhatsApp klären kann?”

Montag, 2. Februar 2015

Weniger ist mehr


“Warum klagst du Dschâmî, dass kein Mensch dein Wort begehrt? Rede minder, Minderkeit vermehrt der Ware Wert.” 
(Maulânâ Abdurrhamân Dschâmî, persischer Dichter, 1414 – 1492)
Hart, aber wahr. Wer zuviel spricht, will bald nicht mehr gehört werden. Wer nur von sich spricht, wird langweilig. In anderen Worten: weniger ist mehr. Ob mit Worten oder Hab und Gut. Weniger Haben ist mehr Leben. Weniger Sorgen ist mehr Leben. Weniger Worte ist mehr Lebensfreude. Weniger ist einfach mehr. Und wie wir zu diesem weniger kommen, findet ihr hier (auf dem Artikel klicken):



Aufgegeben (meine Einstellung entrümpeln) 

Frei sein (mein Herz entrümpeln) 

Es geht nicht um mich (mich selber loslassen) 

Auf Wechsel gefasst sein (Menschen loslassen)



Jeder Gegenstand, jeden Gedanken und jede Einstellung die uns am Leben hindert, dürfen wir getrost loslassen und frei werden. Lass los und erlebe das Mehr, das uns das Weniger gibt.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Nach Ordnung kommt Kreativität

Unser Arbeitszimmer ist entrümpelt!! Durch eine ganz einfache und schnelle Strategie. Wie schnell und gut die Methode ist, beschreibe ich nächstes Mal. Das Ergebnis: der leere Schreibtisch und die Ordnung setzten kreative Gedanken frei. Und eine Idee nach der anderen entstand in meinem Kopf. Fast schneller als ich sie ausführen konnte.
Hier einige Produkte meiner Kreativität. Aus leeren Flaschen, Fotoständer, Muscheln oder Schachteln sind kleine Blumentöpfe entstanden. Sie zieren jetzt die Fensterbank im Arbeitszimmer.
Dazu einige Zitate:

Der Mensch ist ein Geschöpf, deshalb soll er auch schöpferisch tätig sein.
Dr. Ebo Rau (*1945), deutscher Mediziner

Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.
Truman Capote, US-amerikanischer Schriftsteller, 1924 - 1984




Kreativität ist nichts anderes, als eine ausgebaute Straße zu verlassen, um neue Wege zu suchen.
Willy Meurer (*1934), deutsch-kanadischer Kaufmann, Aphoristiker und Publizist

Wer nichts Neues gestaltet – veraltet.
Hubert Joost (*1939), Steuerberater im Ruhestand



"Kreativität kann man nicht aufbrauchen. Je mehr man sich ihrer bedient, desto mehr hat man."
Maya Angelou


Montag, 19. Januar 2015

Aufgegeben

Ich gebe auf! Endlich habe ich diesen Punkt erreicht. Ich gebe auf. Fertig. Ein etwas ungewohntes und doch befreiendes Gefühl steigt in mir hoch. Ich werde mich nicht mehr bemühen. Nicht mehr kämpfen. Nicht mehr meine ganze emotionale Energie in etwas stecken, dass doch nicht funktioniert. Ich gebe auf.
Was gebe ich auf? Ich gebe es auf, Menschen verändern zu wollen. Durch das Lesen der Bibel und verschiedene hilfreiche Artikel habe ich gelernt, dass ich aufgeben darf. Ich gebe nicht den Menschen auf. Ich gebe es auf, diese Menschen verändern zu wollen. Ich gebe mein Verhalten auf.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich mich durch mein Verhalten nur selber schade und am Ende keinem helfe. Wenn der Nächste so sein will, wie er oder sie ist, dann ist es nicht meine Aufgabe, sie zu verändern. Wenn jemand ständig das letzte Wort haben will, dann brauche ich diese Person nicht verändern. Dann lass ich sie halt das letzte Wort haben. Wenn jemand immer und überall das Erste und das Beste sein will, dann darf ich ein Schritt zurücktreten und diese Person das Erste und das Beste sein lassen. Wenn jemand zuviel arbeitet und meine gutgemeinten Ratschläge nicht annimmt, dann schweige ich und lasse sie arbeiten. Wenn jemand nicht zuhören kann und nur wartet, bis der Satz zuende ist und dann von sich spricht – dann lass ich sie. Wenn jemand nicht bereit ist, sein geistliches Leben zu vertiefen, dann lass ich diese Person da stehen, wo sie steht.
Wie oft habe ich versucht, eine Person zu verändern. Ich wollte nur ihr Bestes. Ich hoffte, sie könnte eine bessere Ehe führen, geistlich tiefer wachsen, besser zuhören, sich selbst mehr zurücknehmen (sprich: weniger egoistisch sein), weisere Entscheidungen treffen, das Leben besser meistern usw. Doch meistens wollte ich es mehr als die Person es wollte. Sie hatte mich auch nicht gefragt. Ich hatte eine Notwendigkeit gesehen und wollte helfen. Doch die Person sah diese Notwendigkeit nicht. Sie wollte so bleiben wie sie war. Sie war zufrieden mit ihrem Leben. Ich war das Problem und nicht die andere Person. Ich wollte sie verändern und sie wollte sich nicht verändern.
Jetzt, wo ich aufgegeben habe (nicht die Person, sondern mein Verhalten), merke ich, wieviel emotionale Energie es mir gekostet hat. Es ist anstrengend, etwas zu verändern, dass sich nicht verändern will oder vielleicht auch nicht kann. Es kostet Kraft, um etwas zu kämpfen, dass gar nicht existiert. Und wenn ich zurückschaue, fühle ich mich wie Don Quijote in seinem Kampf gegen die Windmühlen (er dachte es waren 30 Krieger).
Aufgeben bedeutet für mich, die Person so anzunehmen wie sie ist. Egal wie sie ist. In keiner Weise versuche ich sie zu verändern. Auch wenn eine Veränderung in ihrem Verhalten dringend notwendig wäre. Ich kann sie darauf hinweisen und ihr meine Hilfe anbieten, doch da hört meine Verantwortung auf. Ob sie diese Hilfe von mir annimmt oder nicht, entscheidet sie. Und auch dann, wenn ich ihr helfe, entscheidet sie jedesmal wie weit sie diese Hilfe in Anspruch annimmt. Manchmal wird meine Hilfe genau das sein, was diese Person braucht. Nächstes Mal wird es jemand anderer sein, der helfen kann. Und manchmal will diese Person auch nicht geholfen werden und sie wird alles und jeden abweisen.
Ich darf mein Verhalten, mehr zu helfen als gewünscht wird, aufgeben und diese Person so annehmen wie sie ist. Durch das Aufgeben und Annehmen geschieht etwas interesantes. Nämlich eine Veränderung. In mir und im Nächsten. Die Veränderung, die ich mir so gewünscht habe, geschieht nur, wenn ich aufhöre den Anderen zu verändern. Dabei geschieht diese Veränderung oft nicht mal bei dieser Person, sondern in mir. Ich nehme die positiven Seiten dieser Person wahr. Ich entdecke Eigenschaften, die ich bis dann noch nicht gesehen hatte und fange sie an zu schätzen. Bis dann sah ich nur das, was verändert werden sollte und hatte kein Auge für das, was da war. Für das Gute an dieser Person.
Nicht immer ist diese Veränderung positiv. Manchmal endet die Beziehung auch. Die andere Person hatte sich so an meine Veränderungsversuche gewöhnt und vielleicht auf davon abhängig gemacht, dass sie mit meinem neuen Verhalten nicht fertig wird. Sie will nicht, dass ich mein Verhalten, sie zu verändern, aufgebe. Sie braucht mich, um sich nicht verändern zu brauchen. Wenn ich mein Verhalten aufgebe, muss sie eigene Entscheidungen treffen und das möchte sie nicht.
Mein Verhalten aufgeben, verändern zu wollen. Annehmen statt verbessern. Hilfe anbieten und dann zurücktreten. Entscheidungen selber treffen lassen. Das Beste wollen ohne es zu fordern. Das ist viel schwerer, als jemanden versuchen zu verändern. Doch es kostet weniger emotionale Energie. Es macht frei. Es macht gelassen und zufrieden. Es kostet weniger Worte, weniger Gedanken und weniger Kampf. Ich nehme an, was da ist. Mehr nicht. Ich nehme die Person vor mir so an wie sie ist. Das Annehmen kostet nichts. Es befreit sogar. Es öffnet mir die Augen und ich kann tiefer sehen als nur das. was das sichtbare Auge an dieser Person wahrnimmt.
Aufgeben und Annehmen. Diese Entscheidung trifft jede Person jeden Tag selber. Ich kann sie nur für mich selber treffen. Und heute entscheide ich mich für das Aufgeben und Annehmen.

Freitag, 9. Januar 2015

Leben wie Pettersson

Pettersson, der alte Herr, der am Rande eines schwedischen Dorfes lebt, hat mir eine befreiende Sicht über das Leben gelehrt. Er ist kein Gelehrter und kein Philosoph. Er hat auch kein Buch geschrieben oder Vorträge gehalten. Pettersson ist eine Kinderbuchfigur. Ein etwas schrulliger alter Mann, der mit seiner Katze (die sprechen kann) und Hühner (die auch sprechen können) in einem abgelegenen Dorf lebt. Er lebt sein Leben, ruhig und gelassen. Sein neugieriger Nachbar Gustavsson kann sich nicht genug über die Schrullen von Pettersson wundern. Pettersson macht sich daraus einen Spass und erzählt ihm noch mehr Unsinn, damit Gustavsson mehr zum tratschen und klatschen hat.
Pettersson weiss, dass alle im Dorf ihn für einen komischen Einsiedler halten. Doch er macht sich nichts daraus. Er ist zufrieden mit seinem Leben. Er versucht nicht, sich anzupassen. Er versucht auch nicht so normal zu sein, wie die anderen. Pettersson ist Pettersson und wenn die anderen sich wundern (besonders Gustavsson), dann setzt er noch eines drauf, damit sie sich noch mehr wundern. Und dieses etwas dickköpfige Anderssein macht ihn so liebenswert. Wenn er wirklich in Not ist, eilt das ganze Dorf zu Hilfe.
Anderssein. Sich nicht anpassen. Nicht versuchen so zu sein, wie die anderen. Statt Klatsch und Tratsch vermeiden, noch eine Geschichte zum Besten geben, damit es noch mehr zum tratschen gibt. Pettersson verteidigt sich nicht. Er gibt keine Erklärungen für sein Verhalten. Und es gibt genug komische Situationen, die mir so peinlich wären, dass ich gerne alles erklärt hätte. Doch nicht Pettersson. Und das ist was Pettersson mir über das Leben gelehrt hat. Ich bin zu keiner Erklärung verpflichtet. Ich brauche mich nicht verteidigen. Ich kann mein Leben so leben, wie es mir gefällt. Wenn es den neugierigen Nachbarn stört – ihr Problem. Pettersson tat keinem etwas zuleide. Er war nicht schlecht oder hinterging jemandem. Er lebte zufrieden sein Leben mit seiner sprechenden Katze und Hühnern.
Gestern morgen las ich meine tägliche Ration Psalmen und Sprüche.
Bei Psalm 38 blieb ich stehen. Ich las ihm noch einmal und notierte mir auf einem Block die einzelnen Aussagen, die mir auffielen. Ärgere dich nicht. Beneide nicht. Vertraue. Tue Gutes. Freue dich. Überlass Gott die Führung. Sei ruhig und warte. Diese Aufforderungen bringt die Lebensphilosophie von Pettersson noch eine Stufe höher.
Mich nicht ärgern und keinen beneiden. Gott vertrauen. Gutes tun. Mich freuen. Dem Allmächtigen die Führung übergeben. Ruhig sein und abwarten. Der schwedische Kinderbuchautor Sven Nordqvist  hat mir am Beispiel von dem alten schrulligen Mann gezeigt, wie ich diese Gedanken aus Psalm 38 leben kann.
Wer Pettersson und Findus (so heisst die Katze) noch nicht kennt, sollte unbedingt die Kinderbücher lesen oder sich die erste Staffel in Youtube anschauen. Manchmal braucht es kein tiefgründiges Buch, um das Leben nach meinem Niveau zu leben. Ein Kinderbuch tut's auch.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Lebe auf deinem Niveau

"Haben Sie den Mut auf Ihrem Niveau zu leben." Dieser Satz aus einem fast 40 Jahre alten Ehebuch begleitet mich seit über einem Jahrzehnt. Wenn ich meine Werte ausleben will und von meinen Mitmenschen nur schiefe Blicke ernte, denke ich an diesen Satz. Wenn ich Ideen und Vorstellungen habe, die nicht bei jedem Begeisterung auslösen, wage ich es trotzdem - weil ich an diesen Satz denke.
Den Mut haben, auf meinem Niveau zu leben. Das Wort Niveau kommt aus dem französischen und bedeutet Wasserwaage oder Grundwaage. Eine Wasserwaage wird gebraucht, um alles auf eine gleichmässige Höhe oder Fläche zu bekommen. Es bedeutet auch, laut Duden, "geistiger Rang; Stand, Grad, Stufe der bildungsmäßigen, künstlerischen, sittlichen o. ä. Ausprägung".
Das alles zusammengefasst: Habe den Mut, deinen geistigen Rang, deine Bildung, deine Werte, deine Ideen und deine Vorstellungen auf eine Stufe zu stellen. Lebe deine Überzeugungen aus. Dann entsteht ein Gleichgewicht in der Wasserwaage deines Lebens. Lebe mit dir selbst im Einklang. Richte dich nicht nach dem, was die Gesellschaft dir vorschreiben will. Gleichzeitig versuche nicht zu sein, wer du nicht bist. 
Wenn ich zurückblicke, war es nicht nur dieser Satz, der mich immer wieder neu inspiriert hat, sondern auch Menschen, die dieses auslebten. Besonders Frauen. Frauen die den Mut hatten und haben, auf ihrem Niveau zu leben. Trotz Schwierigkeiten und manchmal gegen den allgemeinen Gesellschaftstrend. 
Da ist einmal Susannah Spurgeon. Sie war die Frau des bekanntesten Predigers des 19. Jahrhunderts, Charles Haddon Spurgeon. Sie war das, was das berühmte Sprichwort sagt: "Hinter jedem grossen Mann, steht eine starke Frau." Susannah war nicht körperlich stark, im Gegenteil, sie litt an einer chronischen Krankheit, die sie oft an das Bett fesselte. Doch die innere Kraft und das Vertrauen, dass sie in Gott hatte, übertrug sie auf Mann und Söhne. Mehr noch. Sie gründete und leitete einen Bücherfond für Prediger, die nicht das Geld hatten, Bücher zu kaufen. Sie sammelte Spenden, nahm sogar Geld von ihrer knappen Haushaltskasse und schickte Bücher durch ganz England. Es war ein grosses Werk, dass sie oft vom Bett aus leitete. Sie hatte den Mut, auf ihrem Niveau zu leben. Egal was die anderen dachten oder sagten. Sie sah eine Not und half. 
Ein anderes inspirierendes Beispiel für mich ist Mutter Teresa. Die Missionarin der Nächstenliebe. Sie hatte den Mut, ihre Ideen und Vorstellungen auszuleben. Auch dann, wenn alles dagegen sprach. Auch dann, wenn Kritik hagelte. Auch dann, wenn es mehr geschlossene als offene Türen gab. Sie lebte, wovon sie träumte.
Ein weiteres motiviriendes Beispiel war und ist für mich eine Frau aus meiner Universitätszeit. Doris Olafsen. Eine Frau mit einer unglaublichen Ausstrahlung. In ihrer Gegenwart hatte man den Mut, auf seinem eigenen Niveau zu leben. Sie war in mehrern leitenden Postionen der Uni und heute ist sie die Vizedirektorin von Opportunity International Canada und zählt zu den 100 fantastischen christlichen Leiterinnen Canadas. Obwohl ich sie kaum kannte und nur durch meine Arbeit als Kellnerin bei den Geschäftsessen sah, hat sie mich inspiriert und motiviert.
Andere beeindruckende Frauen, die auf ihrem Niveau leben, sind für mich Bloggerinnen, die den Mut haben, ihre eigenen Vorstellungen vom Leben zu leben. In den letzten Tagen entdeckte ich Blogs von Frauen, in deren Leben Jesus Priorität hatte und offen über Ehe und Sexualität schreiben. Sie ermutigen, die biblischen Prinzipien über Ehe zu leben und die sexuelle Seite bei sich selber zu erforschen und zu geniessen. Und das in einer Zeit, wo Ehe fast altmodisch wirken will.
Habe den Mut, auf deinem Niveau zu leben. Was ist dir wichtig? Welches sind deine Werte? Welche Vorstellungen und Ideen hast du vom Leben? Was begeistert dich? Worüber denkst du oft nach? Was motiviert dich? Was beeindruckt dich? Lebe es aus. Bringe deine Werte, deine Vorstellungen, deine Ideen mit deinem Leben in Gleichgewicht. Auf einem Niveau. 
Es wird schiefe Blicke geben. Auch Bemerkungen, sogar verletzende. Unverständnis. Vielleicht geht auch eine Freundschaft in Brüche, wenn du anfängst dein Leben und deine Werte auf einem Niveau zu bringen. Und trotzdem ist es ein wertvoller Prozess. Für dich. Für dein Leben. Für die Menschen, um dich herum. 
Habe den Mut, auf deinem Niveau zu leben - egal wie die Menschen um dich herum reagieren. Du bist es wert. Du bist dafür geschaffen worden. Dich und dein Niveau braucht die Welt. Habe den Mut! (Und wie man mit den schiefen Blicken und Kommentare umgehen kann, lernen wir von Petterson - doch dazu mehr im nächten Post). 

Freitag, 2. Januar 2015

BBB Prinzip

Es kann ein Wort sein oder ein Satz. Manchmal ein Abschnitt oder ein Artikel. Ich lese ihn, höre ihn oder erinnere mich daran. Zuerst hat er keine Wirkung. Ein normaler Satz. Nichts bewegendes. Und plötzliches explodiere ich in meiner Gedankenwelt. Eine Lawine von Gedanken, die alles mitreisst. Ich werde wütend über solche Achtlosigkeit von Worten. Ich kann nicht still sein. Ich will auch nicht still sein. Ich will die Achtlosigkeit auslöschen. Und muss aufpassen, dass meine Gedankenlawine nicht dieselbe Wirkung hat: Achtlosigkeit der Person gegenüber, die die Worte ausgesprochen hat. 
Heute war es ein Artikel über "Ziele setzen", der meine Gedankenwelt in eine Lawine verwandelte. Auf dem ersten Blick ein netter Artikel. Gut und übersichtlich formuliert. Wie man Ziele setzt. Wie man sie erreicht. Wie man seinen Tag einteilt. Etwas langweilig, um ehrlich zu sein. Ich überflog ihn schnell und legte die Zeitung zur Seite. Dachte nicht weiter darüber nach. Doch dann kam die Explosion. Einzelne Sätze waren sitzengeblieben und entwickelten sich weiter. Fast unbemerkt. 
Da war der Satz über Zeiteinteilung. Den Tag nach dem 888 Prinzip einteilen. 8 Stunden (bezahlte) Arbeit, 8 Stunden Entspannung, 8 Stunden Schlaf. Toll, nicht wahr? Gibt genau 24 und soviele Stunden hat ein Tag. 
Die letzten Wochen waren für uns als Familie alles andere als leicht. Mein Mann war viele Stunden im Geschäft. Ich war viel alleine mit den Kindern. Managte den Haushalt, versuchte soviel wie möglich meinem Mann im Geschäft zu helfen und in der Gemeinde gab es auch genug Arbeit. Acht Stunden Schlaf war Luxus. Acht Stunden Entspannung eine Utopie (Duden definiert es als: undurchführbar erscheinender Plan; Idee ohne reale Grundlage). Acht Stunden bezahlte Arbeit - tja, das soll es geben. Es waren volle, anstrengende und doch ganz besondere Wochen. Wir waren uns der Herausforderung bewusst und haben als Familie diese Tage gemeinsam durchlebt. Gelacht, geklagt, gefreut und geärgert. Meistens übermüde und doch zusammengeschweisst zu einem untrennbaren Team. Hätten wir dieses 888 Prinzip angewandt, hätten wir mehr Schlaf und Entspannung gehabt und wahrscheinlich weniger Einheit und Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Dezembertage wären ohne Höhen und Tiefen vorbei geglitten. Ohne bemerkenswerte Zwischenfälle. Jetzt nutzten wir jede Minute aus, um als Familie etwas zu unternehmen - den acht Stunden Entspannung standen uns nicht zur Verfügung. Lasen Weihnachtsgeschichten vor, während das Essen auf dem Herd kochte. Übten uns in Gelassenheit, wenn es hektisch wurde. Und hatten oft Gäste im Haus - die das 888 Prinzip noch mehr auf den Kopf stellten.
Das 888 Prinzip ist eine nette Idee, die auch jede Mutter mit ein oder zwei kleine Kinder in Rage bringen kann. Auch da sind acht Stunden Schlaf kaum möglich. Vielleicht verteilt über zwei Tage. Acht Stunden Entspannung mit einem Baby und einem Zweijährigen, der gerade klettern gelernt hat? Acht Stunden Arbeit im Haushalt mit einer Familie ist auch eine Utopie. Also, auch nicht anwendbar für Mütter.
Vielleicht ist das 888 Prinzip anwendbar für Geschäftsleute? Acht Stunden um ein Unternehmen zu führen? Etwas wenig in meinen Augen. Wie soll etwas entstehen und wachsen, wenn ich darauf bedacht bin, dass ich noch genug Entspannung und Schlaf bekomme?
Das Prinzip ist an sich nicht so negativ, wie ich es gerade präsentiert habe. Es geht ja um eine ausgeglichene Zeiteinteilung. Und Ausgeglichenheit ist ein wünschenswerter Zustand. Es wirkt nur etwas tyranisch, wenn wir es anwenden wollen. Das Leben bietet wenig Ausgeglichenheit, wenn wir es voll auskosten wollen. Wenn unser Ziel die Ausgeglichenheit ist, werden wir und unser Leben langweilig. Wir sind so bedacht darauf, dass wir ausgeglichen leben, dass wir am Leben vorbei leben. Wir achten so sehr darauf, dass wir acht Stunden Schlaf bekommen, dass wir uns nicht mehr erlauben müde zu werden. "Wenn ich müde bin, bin ich zu launisch", heisst es dann. Also, nicht müde werden. Nicht launisch sein trotz Müdigkeit - die Option gibt es für viele leider nicht.
In den letzten Wochen las ich das Lukasevangelium und nahm dabei das Leben Jesu unter die Lupe. Bei ihm gab es kein 888 Prinzip. Eher Gebet, Arbeit, Gebet, Arbeit. Am frühen Morgen und am Abend zog er sich zum Beten zurück. Er betete ganze Nächte durch und am Morgen war er wieder von Tausenden von Menschen umringt. Entspannung? Er war auf einer Hochzeit, wo er Wasser in Wein verwandelte. Und als er sich einmal ausruhte, kamen Kinder zu ihm und er hatte Zeit für sie. 
Seine Ausgeglichenheit fand er nicht in einer perfekten Zeiteinteilung, sondern in seiner Zeit mit seinem Vater. Die Zeit alleine mit Gott gab ihm die Kraft, die er brauchte. Er betete eine ganze Nacht, bevor er zwöft Männer aufforderte, seine Jünger zu werden. 
Ich frage mich, wie viel ausgeglichener wir sein würden, wenn wir mehr Zeit mit beten verbringen würden. Vor jedem Arbeitsanfang - beten. Vor jeder Begegnung - beten. Vor dem Schlafengehen (statt Fernseh schauen oder im Internet surfen) - beten. 
Meine Erfahrung mit dem Beten ist, dass sich meine Prioritäten fast von selber ordnen, wenn ich regelmässig bete. Auch beim Schreiben von diesem Blog. Statt wütend meine Gedanken in die Welt zu schreiben, werde ich ruhiger und denke nach. Statt launisch zu werden, wenn ich müde bin, kann ich ruhig und freundlich bleiben. 
Statt 888 Prinzip BBB Prinzip (beten, beten, beten). Ich wünsche uns ein betendes Jahr. Verlieren werden wir nichts, wenn wir es ausprobieren. Nur gewinnen. Beten wir.